Ihr wollt euch bewerben, wisst aber nicht, was das für ein Laden ist, den ihr euch ausgesucht habt? Portale wie Kununu oder Glassdoor können helfen. Auch wenn die Bewertungen mit Vorsicht zu genießen sind. 

Wenn ihr euch irgendwo bewerbt, tappt ihr oft im Dunklen, was den neuen Arbeitsplatz angeht. Ist das Betriebsklima ok oder ist das ein Sklaventreiberladen, in dem jeder Zweite kurz vor dem Burnout steht? Erste Hinweise findet ihr bei Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu.com oder Glassdoor. Kununu ist im deutschsprachigen Raum führend, Glassdoor hat im US-Markt die Nase vorn.  

Kununu bietet derzeit 1,5 Millionen Bewertungen von über 300.000 deutschen Unternehmen. Die Firma sitzt in Wien, gehört zum Karriernetzwerk Xing und damit zum Burda-Verlag und ist laut Selbstbeschreibung die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform in Europa. Das Prinzip funktioniert genau wie bei Restaurant- , Ärzte-  oder sonstigen Ratingportalen. Ihr könnt also schauen, wie Leute, die bei der Deutschen Bank, bei der Caritas oder der Bahn arbeiten, ihren Arbeitsplatz auf einer Skala von einem bis fünf Sternen bewerten.

Dazu findet ihr, wie in einem Zeugnis, verschiedene Kategorien wie die Höhe des Gehalts, Klima im Unternehmen, Umgang mit Vorgesetzten oder mit älteren Kollegen und Familienfreundlichkeit. Ihr könnt aber zum Beispiel auch checken, ob ihr euren Hund mitbringen dürft. Für all das werden Sterne vergeben, die in die Gesamtnote einfließen, die von einem Algorithmus berechnet wird.  

Bestnote für Bayer

An der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland steht Bayer mit 3,8 von 5 Sternen und einer Weiterempfehlungsrate von 91 Prozent. Dort wird vor allem die gute Personalpolitik gelobt. Auf Platz zwei kommt Google - vor allem wegen der guten Arbeitsatmosphäre - gefolgt von Audi, wo es nach Meinung der Kununu-Bewerter sehr gute Karrieremodelle gibt. In punkto Familienfreundlichkeit liegt die Versicherungsbranche ganz vorne, Handwerksbetriebe schneiden eher schlechter ab. Sehr negativ bewertet wird die Zentrale der Restaurantkette Vapiano. Aber das sind natürlich nur die subjektiven Einschätzungen der Kununu-Bewerter.

Dass die Bewertungen nicht repräsentativ sind, lässt sich schon daran sehen, dass bei der Konkurrenzplattform Glasdoor SAP 2017 der beliebteste deutsche Arbeitgeber ist - mit 4,4 von 5 Sternen und Adidas und Bosch auf den ersten drei Plätzen landen. Außerdem findet ihr bei größeren Unternehmen logischerweise oft mehr Bewertungen als bei kleinen Unternehmen, über die sich manchmal nur eine einzige Person geäußert hat.  

"Es ist schon interessant, dass diese Portale auch bei den Unternehmen zu einem Umdenken geführt haben. Sie legen sehr viel Wert darauf, wie sie bei Bewertungsportalen rüberkommen."
Netzreporterin Martina Schulte

Bleibt die Frage, ob die Bewertungen alle echt sind: Die Plattformen sieben zwar Beleidigungen und Hatespeech aus oder auch, wenn jemand aus Rache Betriebsgeheimnisse verrät. Aber sie kontrollieren nicht, ob ein Nutzer, der eine Bewertung abgibt, auch wirklich beim fraglichen Unternehmen gearbeitet hat. Michael Beckmann, Professor für Personal und Organisation an der Universität Basel, sagt in der NZZ, dass bei solchen Portalen auch sogenannte Selektionseffekte eine große Rolle spielen. Das heißt – ihr findet vor allem besonders zufriedene und sehr unzufriedene Mitarbeiter. Und die Mitte fehlt.

Niemand lacht mehr über die Portale

Trotzdem sind die Portale interessant für alle, die auf Jobsuche sind. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel sehr viele schlechte Bewertungen erhalten hat und nur niedrige Weiterempfehlungsraten, ist das sicher gut zu wissen. Und sie haben auch schon dazu geführt, dass Unternehmen sehr viel mehr Wert auf ein gutes Betriebsklima legen als früher. Steffen Zoller von Kununu sagt im Interview mit futuerzone.at: "Früher haben viele Unternehmen  über Arbeitgeberbewertungen gelacht." Das tun sie jetzt sicher nicht mehr. Im Gegenteil: Vor allem die großen Firmen, die auf gute Fachkräfte angewiesen sind, nutzen diese Plattformen jetzt geschickt zur Eigen-PR, um sich im besten Licht zu präsentieren. Sie firmieren gleich auf der Startseite als Top-Companies.