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Die Klimaerwärmung macht den Kartoffeln zu schaffen. Mit den Bedingungen kommen einige Sorten nicht zurecht. Nun werden neue Sorten gesucht, die resistenter gegen Hitze sind.

Da es extreme Wetterschwankungen gibt, haben einige Kartoffelsorten Probleme zu gedeihen. Die langfristige Veränderung des Klimas stellt Kartoffel-Züchter*innen vor Herausforderungen, sagt Bio-Kartoffel-Bauer Karsten Ellenberg.

Bereits jetzt gebe es Probleme für einige Sorten durch extreme Wetterschwankungen.

"Es gibt schon Probleme mit den Sorten. 2017 war es zum Beispiel sehr nass, es gab über 1.000 Millimeter Niederschlag. 2018 war es dann sehr trocken."
Karsten Ellenberg, Bio-Kartoffel-Bauer

Einige Sorten kämen mit Wärme gut zurecht, andere Sorten vertrügen Sonne oder Wärme aber gar nicht, erklärt der Landwirt. Klar sei: In Zukunft müssten Landwirte vielfältige Sorten anbauen, damit sie ernten können.

Eine Sorte, die jeder Wetterlage standhalte, gebe es bislang nicht. Karsten Ellenberg berichtet, dass er mit der Linda-Kartoffel gute Erfahrung habe: "Die Linda ist auf einem leichten Sandboden gezüchtet worden. Die verträgt Trockenheit eigentlich sehr gut."

Neue Kartoffelsorten sollen Wetterextremen standhalten

Die Züchter*innen arbeiteten daran, dass neue Kartoffelsorten den Extremen standhalten, erklärt Landwirt Karsten Ellenberg. "Es dauert in der Züchtung mindestens zehn Jahre, bis man die richtige Sorte gefunden hat." Außerdem müsse sich jede Sorte erst am Markt etablieren. Geschmack habe bei der Entwicklung immer höchste Priorität, sagt Karsten Ellenberg.

Bio-Kartoffel-Bauer Karsten Ellenberg erklärt, dass Kartoffeln ausreichend Wasser und Licht brauchen zum Gedeihen und Wachsen. Da unterscheide sich die Kartoffel nicht von anderen Pflanzen, sagt Bio-Bauer Karsten Ellenberg.

"Kartoffeln brauchen ja auch Wasser. Die Pflanze wächst ja auch oberirdisch – genauso wie andere Pflanzen auch. Nach einem gewissen Reifeprozess fängt sie an, Knollen zu setzen. Dafür muss sie vorher natürlich gut gewachsen sein."
Karsten Ellenberg, Bio-Kartoffel-Bauer

Bei zu viel Stress – zum Beispiel bei extremer Hitze von über 30 Grad – bleibe die Kartoffelpflanze stehen in der Vegetation. "Nach der Hitze wächst sie aber weiter. Sie bleibt also nicht stehen", erklärt Karsten Ellenberg. Ohne Wasser geht es nicht. Kartoffeln brauchen zum Wachsen Wasser.

Die Blaue Anneliese

Karsten Ellenberg hat mit anderen Kartoffel-Bauern die Blaue Anneliese gezüchtet. Sie ist eine blaufleischige Kartoffel, die mit einem antigenen Zuchtstamm erzeugt wurde. Sie verträgt mehr Trockenheit als andere Stämme. Bei extremer Hitze lege sich Anneliese hin, sagt Karsten Ellenberg. "Und wenn es regnet, steht sie wieder auf. Das ist wie bei Wildpflanzen. Die sterben auch nicht ab."

Farbvariationen bei Kartoffeln

Karsten Ellenberg erklärt, dass man in Deutschland mit blaufleischigen Kartoffeln noch nicht vertraut sei. In Südamerika sei es anders. Es gebe dort rot-, blau- gelb und weißfleischige Kartoffelsorten. "In Deutschland hat sich das gelbfleischige durchgesetzt."

Laut Karsten Ellenberg sind dunkelfleischige Kartoffeln sehr gesund. Sie enthielten Antioxidantien und viele sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Inhaltsstoffe stabilisieren unser Immunsystem, erklärt der Kartoffel-Bauer.

Schon in der Vergangenheit züchteten Bauern immer neue Kartoffelsorten. Bis diese auf den Markt kommen und sich durchsetzen, dauere etwa zehn Jahre, erläutert Ellenberg.

"Man muss sich in der Zucht immer weiterentwickeln, denn die Entwicklung des Klimawandels geht schneller als dem Züchter lieb ist. Sicherlich muss man auch Geschmack in die neuen Sorten bringen."
Karsten Ellenberg, Bio-Kartoffel-Bauer

Neben den Wetterveränderungen gebe es weitere Entwicklungen, die für die Landwirtschaft problematisch seien. "Schadorganismen wie Viren entwickeln sich auch rasant weiter."

Eine Handvoll Sorten auf dem Markt reiche nicht mehr aus, wenn Viren Resistenzen gegen ganze Stämme aufbauen. Dann gebe es im schlimmsten Fall gar keine Kartoffeln mehr. "Wir müssten dann hungern. Es braucht viele Sorten, damit es mindestens eine mit Vitalität gibt. Das hätten die Menschen schon vor langer Zeit so gemacht, sagt Karsten Ellenberg. "Selbst die Inkas wussten schon, dass sie viele Kartoffelsorten brauchen, damit sie nicht verhungern. Die hatten damals schon eine frostresistente Sorte dabei."