Mit 15 nimmt Jacqueline Straub an einem katholischen Jugendcamp teil. Diese eine Woche im Camp ändert Jacquelines Leben: Seitdem fühlt sie den brennenden Wunsch selbst katholische Priesterin zu werden. Doch das erlaubt die katholische Kirche nur Männern.

Eine Freundin ermuntert Jacqueline Straub mit ihr zum dem Sommercamp zu fahren, schon davor hat sie angefangen die Bibel zu lesen, zu beten und sich "einen Glauben aufzubauen". "Ich habe dann aber in der Woche schon vor der Heimreise schon gemerkt, irgendwie in mir ist so ein aufkeimender Glaube, irgendwie bewegt sich da was. Und ich wollte dem Ganzen ein bisschen näher auf die Spur kommen und habe mich oft zurückgezogen."

Während des Camps hat der Gruppenleiter Jacqueline einmal ermuntert, das gemeinsame Gebet zu leiten. Jacqueline zögert im ersten Moment, weil sie das noch nie gemacht hat. Aber dann betet sie einfach drauf los. Und danach sagt der Gruppenleiter zu ihr: "Du wärst die perfekte Pfarrerin!" Seit diesem Moment ist für Jacqueline klar: Sie spürt ein Brennen im Herzen und dieses Brennen sagt ihr ganz eindeutig, dass sie Priesterin werden will.

"Und (ich) hab dann immer wieder einfach gespürt, dass Gott mich dort haben will, wo ich eigentlich gar nicht sein darf - laut katholischer Lehre."
Jacqueline Straub über ihren tiefen Wunsch

Doch in der katholischen Kirche dürfen nur Männer Priester werden. Die Ausbildung erfolgt im Priesterseminar. Wer dort aufgenommen werden will, muss eine innere Berufung spüren, Gott und der Kirche dienen zu wollen. Objektiv nachweisbar ist so ein Gefühl der Berufung natürlich nicht, aber die katholische Kirche setzt voraus, dass nur Männer es empfinden können - und Frauen eben nicht. Warum das so sein soll? Eine stichfeste Erklärung hat Jacqueline Straub dafür nie bekommen: "Irgendwie fehlt mir was. Klar. Äußerlich fehlt mir was, um ein Mann zu sein. Aber anscheinend fehlt meiner weiblichen Seele auch etwas, dass ich nicht Priester oder Priesterin sein kann."

Und weil ihr diese Erklärung nicht ausreicht, macht Jacqueline Straub einfach weiter. Sie gibt ihren Wunsch Priesterin zu werden nicht auf, sondern verfolgt ihn weiter. Nach dem Sommercamp wird sie Messdienerin, dann studiert sie Theologie und wird Journalistin, sie schreibt Bücher über die Rolle der Frau in der Kirche. Damit wird Jacqueline Straub zu einer wichtigen Stimme, die die katholische Kirche reformieren will. So landet sie 2018 sogar auf einer Liste der BBC: Die 100 inspirierendsten Frauen der Welt, heißt diese Liste. Darauf steht neben Michelle Obama auch Jacqueline Straub.

"Ich habe die Berufung. Und: Ich warte einfach so lange, bis ich sie leben kann."
Jacqueline Straub

Die ganze Geschichte von Jacqueline Straub könnt ihr im Audio nachhören.