Bisher war klar: Wem ein Video auf YouTube nicht gefällt, die oder der klickt auf den Dislike-Button. Jetzt will Google mit dieser Form der Unmutsbekundung Schluss machen - und das stößt nicht überall auf Begeisterung.

Google hat in seinem Blog angekündigt, den Dislike-Button für Zuschauer*innen eines Videos zu verbergen. Der Uploader sieht allerdings weiterhin die negativen Bewertungen. Ganz abschaffen will der kalifornische Konzern das Dislike also nicht. Deutschlandfunk-Nova-Netzautor Andreas Noll erklärt, dass YouTube den Dislike-Button in Zukunft weiterhin für seine Algorithmen nutzen will. Übrigens bleibt der Like-Button unter Videos erhalten, ergänzt Andreas. "Das könnte gut fürs Geschäft sein", vermutet er. Denn positive Nachrichten sind im Netz immer von Vorteil.

YouTube begründet den Schritt damit, dass der Button den Nutzenden zu wenig qualitative Orientierung biete. Ursprünglich wurde der Knopf geschaffen, damit User*innen die Qualität der Videos bewerten können. Bei Tests in diesem Frühjahr will YouTube allerdings herausgefunden haben, dass es sich bei schlechten Bewertungen oftmals um Massenbewegungen handelt - das heißt, wenn schon viele negative Bewertungen zu sehen sind, ist die Verlockung groß, ebenfalls auf Dislike zu drücken, ohne sich viele Gedanken zu machen.

"Bei schlechten Bewertungen von YouTube-Videos handelt es sich in der Regel um eine Massenbewegung. Wenn schon viele Dislikes da sind, drücken Nutzer selbst auch darauf, ohne sich eine eigene Meinung zu bilden."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzautor

Der Gefällt-mir-nicht-Button sei immer wieder für gezielte Kampagnen gegen Creator*innen missbraucht worden. Als Mittel der Cancel-Culture gebe es Dislike-Attacken gegen einzelne Accounts oder Videos, teilt YouTube mit. Negative Bewertungen bei Videos seien daher eher ein Beleg für das Problem von Hass im Netz als für die Qualität des Videos. Die Folge: Dislikes sollen nicht mehr öffentlich zu sehen sein.

Ein Hinweis dafür, dass negativ bewertete Videos nicht unbedingt schlechter als andere sein müssen - Dislike-Videos werden nicht häufiger abgebrochen werden als besser bewertete Uploads, erklärt Netzautor Andreas.

Viele Nutzer sind nicht begeistert vom Verbergen des Dislike-Buttons

Bei einigen Videos sind die negativen Bewertungen schon nicht mehr zu sehen. Nun will YouTube das Schritt für Schritt bei allen Videos umsetzen. Die meisten Nutzer sind offenbar nicht begeistert. Unter den Videos mit vielen schlechten Bewertungen gibt es daher Diskussionen. Ein häufig zu lesender Vorwurf: YouTube beschneide die Diskussionskultur auf der Plattform, weil nur noch positive Meldungen sichtbar sind.

Erste Tests zum Verbergen der Dislikes hatte die Google-Tochter schon im Frühjahr gemacht. Schon damals reagierten Nutzerinnen und Nutzer eher ablehnend. Aber anscheinend war YouTube so zufrieden mit dem Experiment, dass sich der Dienst entschied, es bald bei allen Videos anzuwenden.

Ein endgültiger Schritt von YouTube

Andreas geht davon aus, dass der Schritt des Videodienstes endgültig ist und der Dislike-Button bei Videos für Zuseher*innen nicht mehr sichtbar wird.

"Das Thema treibt viele Nutzer*innen in den nächsten Wochen noch um. Das kann man gerade ganz gut sehen. Das Video, auf dem Youtube die Abschaltung des Dislike-Zählers erklärt, hat schon mehr als 34.000 Dislikes – und nur 8500 Likes."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzautor

Vielleicht erinnert ihr euch ja noch an das Video von Bianca Claßen, das vor vier Jahren Aufmerksamkeit wegen der vielen Dislikes hatte. Unter diesem Video stehen nun massenhaft Kommentare zum Dislike-Ende.