Eine neue Stadt kann ganz schön aufregend sein. Noch aufregender ist es, neue Freunde in der neuen Stadt zu finden. Doch seit der Corona-Pandemie ist das gar nicht mehr so einfach. Dating-Apps könnten Abhilfe schaffen.

Knapp 200 Zeichen, dazu noch ein, zwei sympathische Fotos und fertig ist das Dating-Profil. MeetUp, FriendsUp, 25friends, Spontacts – Apps, um potentielle, neue Freunde trotz Corona-Beschränkungen kennenzulernen, gibt es genug. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Maureen Welter, die neu nach Saarbrücken gezogen ist, möchte herausfinden, ob sich online Freundschaften aufbauen lassen, die auch im echten Leben funktionieren. Dabei ist die erste Frage: Wie kommt man am besten bei den Dating-Partnerinnen und -Partnern an?

Björn Vedder, Philosoph und Buchautor erklärt, dass es bei Freundschaften generell gar nicht so sehr darauf ankomme, wie toll man selbst sei, sondern vielmehr, wie toll man andere finden könne. Es geht also oft um Anerkennung. Und diese funktioniere bei Freundschaften häufig über den Umweg, dass man den anderen erstmal Anerkennung schenkt, die dann später bei einem selbst wieder ankommt.

"Der Wunsch, selber von anderen als toll und groß angesehen zu werden, funktioniert über den Umweg, dass ich den anderen als liebenswert bestätige und dann kommt das auch auf mich zurück."
Björn Vedder, Philosoph und Buchautor

Dabei gehe es nicht darum, sich gegenseitig zu belügen, sondern um das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung: Wenn Freunde einem immer wieder bestätigen, dass man toll ist, dann wird man irgendwann wirklich die bessere Version seiner Selbst.

Online-Dating kann anstrengend sein

Maureen Welter möchte das in die Tat umsetzen. Nach zehn Matches chattet sie mit fünf von ihnen. Ein Treffen kann sie sich mit allen vorstellen. Auch Timo, der eigentlich anders heißt, ist vor sechs Monaten nach Saarbrücken gezogen und hat es mit Dating-Apps versucht. Für ihn sei es aber schnell zu anstrengend geworden, die ganzen Gespräche am Laufen zu halten. Entweder es habe gleich gepasst oder eben nicht, berichtet er.

"Die Mühe, die ich quasi in das Gespräch reinstecken muss, um die Konversation am Laufen zu halten, ist es einfach nicht wert."
Timo, hat Dating-Apps zum Freundefinden ausprobiert

Mit einer Person hat sich Timo dann doch noch getroffen. Für ihn war es ein komisches Gefühl, jemanden zu treffen, den er bisher nur online kannte. Er wusste nicht wirklich, wie er mit der Person umgehen sollte oder was er unternehmen sollte. Am Ende sind die beiden einfach spazieren gegangen.

Physische Treffen sind kaum ersetzbar

Seit dem Treffen vor circa drei Monaten schreiben sie sich regelmäßig. Physisch haben sie sich seitdem aber nicht mehr gesehen. Björn Vedder bezweifelt, dass die tiefe Intimität, die eine innige Freundschaft ausmache, über eine Chat-Freundschaft entstehen kann.

"Diese tiefe Intimität, die es unter wirklich innigen Freunden gibt, die kann es nur geben, wenn der andere auch physisch präsent ist."
Björn Vedder, Philosoph und Buchautor

Ganz auszuschließen ist es natürlich nicht, dass aus einer Online-Beziehung eine intensive und physische Freundschaft wird. Maureen Welter jedenfalls hat sich entscheiden, erstmal auf das Spazierengehen auszuweichen, anstatt sich gar nicht zu sehen. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich aus den fünf Online-Bekanntschaften wirklich noch eine echte Freundschaft.