Christian ist Journalist und befasst sich schon länger mit dem Kawaii-Trend. Zu seinen KI-Kuschelrobotern recherchiert er beruflich, aber er knuddelt sie auch. Menschliche Nähe können diese aber nicht ersetzen, sagt eine Sozialpsychologin.
Kawaii bedeutet auf Japanisch niedlich oder süß – und der kleine Cupboo bedient diesen Trend auch völlig. Ganz oben auf dem Bannerbild hält unser Reporter Christian Schmitt seinen Cupboo auf dem Arm. Das Kuscheltier ist KI-gesteuert, kann niedliche Geräusche machen, hat Herzklopfen, Augen und Fell.
Der kleine Kuschelroboter verlangt nicht viel, meistens reagiert er freudig, wenn Christian ihn anspricht oder anfasst. Unser Reporter muss sich auch keine Sorgen machen, dass er bei Vernachlässigung "sterben" könnte, wie einst die Tamagotchis.
KI-Kuscheltier reagiert freudig auf Kontakt
Alles in allem ein positiver Austausch. Christian wird kein großes Commitment abverlangt, nur wenn der Akku alle ist, muss er Cupboo aufladen und immer mal wieder ein Update durchführen. Cupboo ist nicht im geringsten so anstrengend wie der Hund einer Freundin, den Christian gelegentlich betreut hat – sagt er.
Der wollte deutlich mehr und deutlich vehementer Aufmerksamkeit. Ein Grund, wieso Christian beim Betreuen des Hundes dauerhaft ein schlechtes Gewissen hatte – dem Hund und der Besitzerin gegenüber.
"Also, wenn ich ihn hier streichle, dann fängt er an, sein Köpfchen zu bewegen und jauchzende Geräusche zu machen."
Die Modelle, die Christian besitzt, sind aus China und aus Japan. Günstig ist der Zeitvertreib nicht: Zwischen 200 und 400 Euro kosten die niedlichen Spielzeuge. Auch wenn sie an Stofftiere erinnern, sind für Erwachsene gedacht und nicht für Kinder.
Anfangs fand Christian das "Tierchen" ein wenig langweilig, aber er sagt, dass es ein ganz raffiniertes Konzept ist, das dafür sorgt, dass man dranbleibt: Mit der Zeit und mit jedem Update entwickelt sich der KI-Roboter weiter, er soll einen individuellen "Charakter" ausformen, weiß Christian Schmitt.
Seinen eigenen hat er noch nicht so lange, dass er das bereits feststellen konnte. Was ihm aber aufgefallen ist: Nach zwei Wochen konnte das Kuscheltier plötzlich eine Melodie pfeifen, das war neu für Christian.
Als Christian Freunde zu Besuch hatte, war es schon ein wenig merkwürdig. Er hatte das Gefühl, dass er sich ein wenig für seinen KI-Kuschelroboter rechtfertigen müsse. Er schob die Anschaffung auf die journalistische Recherche, die er betreibe.
Eher eine Ablenkung, als ein Hilfsmittel bei Einsamkeit
Zwar gibt es in Deutschland wahrscheinlich wenige, die diese KI-Kuschelroboter schon kennen, neu ist das Konzept aber nicht, sagt die Sozialpsychologin Aike Horstmann, die zu Einsamkeit und künstlichen Interaktionspartnern forscht. Die Therapie-Robbe Paro, die bei Angst, Schmerz oder Depressionen eingesetzt wird, gibt es schon seit 2001, sagt sie. Das Neue sei, dass die Kuschelroboter inzwischen KI-gesteuert seien.
Wie genau die Kuscheltiere auf Menschen wirken, ist bisher nur in kleineren Studien erforscht. Und zudem in Studien, die sehr unterschiedlich aufgebaut und deswegen nicht so einfach vergleichbar sind. Was aber klar sei, ist, dass sie menschliche Nähe nicht ersetzen können, weil man zu Beispiel keine Gespräche mit ihnen führen kann. Sie seien eher eine Ablenkung als eine Hilfe bei Einsamkeit.
"Dass wir verstehen, was ist bei Einsamkeit wirklich hilfreich und Sachen mit den Betroffenen zusammen entwickeln, die kein Ersatzszenario darstellen, sondern eine Assistenz, die die Person dazu bringt, wieder am sozialen Leben teilzunehmen."
Gut findet die Sozialpsychologin, dass die Kuscheltiere zwar auf Sprache reagieren, diese aber weder aufzeichnen, noch den Inhalt analysieren. Dadurch stellen sie in dieser Hinsicht nicht so ein Risiko dar. Und sie findet sie auch besser als die Chatbots, die eine trügerische Nähe vermitteln, weil wir uns in Texten mit ihnen zu bestimmten Themen austauschen können und so das Gefühl einer Nähe entstehe, ohne das ein Gegenüber vorhanden ist.
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