Eine normale Klausurenphase – das gibt es dieses Jahr sicher nicht. Um den derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln gerecht zu werden, gehen die Universitäten und Hochschulen ganz unterschiedliche Wege. Eine Variante aus Köln: Prüfungen in der Messehalle.

Für die Studierenden war das Sommersemester 2020 bisher alles andere als ein gewöhnliches Semester: Die Bibliotheken sind geschlossen, viele Kurse sind ausgefallen oder finden online statt. Jetzt stehen die ersten Prüfungen an – und auch hier ist nichts wie sonst.

Manche Universitäten haben viele Klausuren verschoben, in der Hoffnung, dass bald wieder normale Bedingungen herrschen. Andere Hochschulen bieten Online-Klausuren an. Und wiederum andere, wie beispielsweise die Technische Universität Dortmund oder die Kölner Universität, mieten riesige Messehallen an.

Mehr Platz, mehr Prüfungen

Allein in dieser Woche sind in einer Messehalle in Köln 6000 Prüfungen angesetzt. Mit ausreichend Abstand können gleichzeitig bis zu 500 Studierende ihre Prüfungen jeweils an einem Einzeltisch ablegen. Das sind deutlich mehr Studierende als in der großen Aula der Universität Köln, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz. Dort könnte aufgrund der Abstandsregelungen nur jeder fünfte Tisch von Prüflingen besetzt werden.

Keine einladende Atmosphäre

Wirklich einladend sind die Räumlichkeiten in einer der Kölner Messehallen allerdings nicht, sagt Martin Schütz: Dunkelgrauer Boden, schwarze Wände und Decken, grelle Neonröhren und keine Fenster.

"Diese Halle sieht ungefähr so aus wie ich mir persönlich das Wohnzimmer von Darth Vader vorstellen würde: Dunkelgrauer Boden, schwarze Wände und Decken, Neonröhren sorgen für Licht, Fenster gibt es nicht."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Damit sich die Studierenden auf dem großen Gelände nicht verlaufen, sind in allen Gängen Markierungen angebracht. Die verschiedenen Ein- und Ausgänge sind ebenfalls gekennzeichnet, um Staus zu vermeiden, erklärt Martin Schütz.

Maskenpflicht trotz Abstand

Doch auch das Schreiben in einer großen Halle mit viel Abstand befreit die Studierenden nicht von der Maskenpflicht. Bei Klausuren, die sich über drei oder vier Stunden ziehen, ist das vor allem für Brillenträger grenzwertig, bei denen die Brille durch das Maskentragen andauernd beschlage, sagt Martin Schütz. Nur wer einmal kurz etwas trinken möchte, darf dafür den Mund freimachen – und nur den.

"Nur wer mal einen Schluck trinken will, darf die Maske anlupfen. Die Nase muss aber immer bedeckt sein."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch der Gang zum Klo ist klar geregelt. Der Student Max Stein hat in der Halle bereits zwei BWL-Klausuren geschrieben und erzählt, dass man sich per Handzeichen melden müsse, wenn man auf die Toilette gehen will. Jeder dürfe nur einzeln gehen. Wenn es blöd läuft, muss man also ziemlich lange warten.

Niemand kann durchfallen

Nicht ganz so angenehme Bedingungen also. Dem ist sich auch die Leitung der Universität bewusst und möchte den Studierenden entgegenkommen: Bis auf den Sonderfall der Abschlussprüfung wird niemand durchfallen können. Sollte eine Prüfung nicht bestanden werden, gelte sie als "nicht geschrieben", sagt die Professorin Beatrix Busse, Prorektorin für Lehre und Studium. Für die Lehrenden bedeute diese Regelung allerdings einen großen Mehraufwand – insbesondere in administrativer Hinsicht.

"Das ist für alle eine besondere Situation, für die Studierenden ohnehin. Deswegen wollten wir den Studierenden da dann doch sehr entgegenkommen, obwohl es für die Lehrenden in der Tat mehr Aufwand bedeutet. Das ist schon ein Wahnsinn, was geleistet wird."
Beatrix Busse, Prorektorin für Lehre und Studium

So könne es passieren, dass die Lehrenden beispielsweise auch Klausuren korrigieren, die vielleicht nur angefangen wurden, sagt Beatrix Busse. Auch das Abmelden von Prüfungen sei aufwändig. Es sei demnach keine einfache Entscheidung gewesen – sie wurde aber im Endeffekt zum Wohle der Studierenden getroffen.

Diese Entscheidung wurde auch von der Studierendenvertretung der Universität Köln sehr positiv aufgenommen. Es sei vor allem für die Prüfungen wichtig, bei denen die Studierenden nur zweimal durchfallen dürfen, bevor sie bei einem dritten Fehlversuch exmatrikuliert würden.

Lieber eine Messehalle als gar keine Prüfung

Die meisten Studierenden sind gerade einfach nur froh, überhaupt Prüfungen ablegen zu können, damit sie kein Semester umsonst studiert haben, sagt Martin Schütz.

"Die meisten sind einfach froh, dass sie überhaupt Prüfungen ablegen können und damit nicht ein komplettes Semester verlieren."
Martin Schütz, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das viel größere Chaos wäre vermutlich entstanden, wenn sich alle Klausuren, die des Wintersemesters und die des Sommersemesters, im Winter zusammengestaut hätten, vermutet er.