Mit der Grußformel setzen wir im schriftlichen Kontakt oft schon den Ton für die Worte, die darauf folgen. Wie wir andere anschreiben, hängt auch von der Plattform ab, über die wir uns melden. Durch formelle Grußformeln können E-Mails wie hochoffizielle Briefe klingen. Entscheidend ist, dass die Wertschätzung rüberkommt.

Während sich Angela Merkel zum Ende ihrer Amtszeit im Rahmen einer ganzen Tournee verabschiedet, hält es Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf Twitter eher kurz. Dort bedankt er sich "für den Support" mit einem "Thx".

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Nach 27 Jahren als Bundestagsgeordneter auf diese Art Abschied zu nehmen, kann erst mal ungewöhnlich oder sogar flapsig rüberkommen. So locker zu schreiben, sind wir eher im Chat mit unseren Freund*innen gewohnt, aber wohl kaum aus einem Austausch mit unseren Vorgesetzten, der einen offizielleren Charakter hat.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, kann der Tweet von Peter Altmaier auch zeigen, dass er sich an die Umgangsform auf der Plattform angepasst hat, erklärt Eva Gredel, Professorin für Germanistische Linguistik an der Universität Duisburg-Essen.

Jeder Kommunikationsweg hat eigene Ansprache

Eva Gredel forscht zu digitaler Kommunikation und findet, dass wir durch unsere internetbasierte Kommunikation per Mail, Messenger-Dienst oder Social Media mehr Möglichkeiten haben, wie wir einander begrüßen und auch verabschieden.

Auf jeder Plattform und in jeder digitalen Gemeinschaft würden die Nutzerinnen und Nutzer ihren Weg finden, wie sie dort einander anreden möchten. Auf Twitter zum Beispiel werde oft und willkürlich geduzt, auf Xing hingegen meist gesiezt. Einen Wandel von Grußformeln durch unsere Kommunikation im Netz sieht sie nicht.

"Ich glaube, dass sich viele Sprecher*innen durchaus genau überlegen, mit wem sie jetzt gerade auch über Whatsapp schreiben und was hier angemessen ist."
Eva Gredel, Professorin für Germanistische Linguistik, Universität Duisburg-Essen

Wertschätzung ausdrücken

Es geht weiterhin darum, für sich zu klar zu haben, an wen die Nachricht gerichtet ist und in welchem Verhältnis wir zu dieser Person stehen. Wenn Eva Gredel beruflich Nachrichten bekommt, findet sie es gut, wenn E-Mails mit einem "Sehr geehrte Frau Gredel" anfangen und wiederum "Mit freundlichen Grüßen" aufhören. Denn: Diese Grußformeln würden erst mal Wertschätzung signalisieren. Ihre Studierenden halten sich oft daran, sagt sie.

Auch wenn eine E-Mail mit einer kurzen Frage dadurch wie ein hochoffizieller Brief klingt. Gerade in einem Arbeitsumfeld mit hierarchischen Ebenen ist eine förmliche Anrede der sichere Weg, sagt Kommunikationscoach und Stiltrainer Jan Schaumann. "Das heißt nicht, dass es total spießig und langweilig sein muss. Aber das heißt auch, dass wir nicht Bros sind."

Alternativ zum klassischen "Sehr geehrte/r" können auch ein "Liebe Frau Doktor" oder die Verabschiedung über "Liebe Grüße" passend sein. Entscheidend ist der gesamte Kontext, erklärt er. Wie ist mein Verhältnis zu dem Menschen, dem ich schreibe? Welchen Ton will ich treffen?

"Ich muss das nötige Fingerspitzengefühl mitbringen, um auf ein 'Na Digga' zu verzichten und förmlich zu schreiben."
Jan Schaumann, Kommunikationscoach und Stiltrainer

Geht die Nachricht also an eine Person, die in dem Bereich über uns steht wie eine Professorin, sollten wir den Austausch mit einer Nachricht beginnen, bei der wir Wert auf eine korrekte Grammatik, Rechtschreibung und Höflichkeit legen. Bei der nächsten Nachricht im Messanger-Dienst können wir dann wieder lockerer sein. Thx.