Im Kongo sind in diesem Jahr schon mehr als eine Million Menschen vor Krieg und Hunger geflohen - Hunderttausenden droht der Hungertod. Hilfsorganisationen wünschen sich, dass die Welt wieder mehr hinschaut.

Ursache für den aktuellen Konflikt im Kongo ist die Tatsache, dass Präsident Joseph Kabila nicht abtreten will. Kabila ist inzwischen seit 17 Jahren an der Macht. Er hatte damals das Amt von seinem Vater geerbt. 

Irgendwann gab es dann zwar auch mal Wahlen - allerdings liegen die mittlerweile sehr lange zurück. Ende vergangenen Jahres hätten eigentlich Neuwahlen im Kongo angestanden. Das Problem ist aber, dass Kabila die Wahlen immer wieder hinauszögert. Das macht die Gegner wütend. Und Rebellengruppen haben angefangen, gegen Kabila und seinen Machtapparat zu kämpfen.

Am Ende geht es aber auch bei diesem Konflikt mal wieder um Rohstoffe: um Diamanten, Kobalt, um Coltan. Denn eigentlich ist das Land sehr reich an Rohstoffen. Nur kommt von diesem Reichtum beim Großteil der Bevölkerung überhaupt nichts an.

"Die Menschen fliehen mit dem, was sie am Leibe haben. Viele verlieren auch ihre Angehörigen auf der Flucht."
Antje Diekhans, Korrespondentin

Die Menschen, die jetzt auf der Flucht sind, fliehen vor den Kämpfen zwischen Rebellen, Soldaten und Polizei. Viele werden aus dem Alltag gerissen und machen sich ohne Gepäck auf den Weg - nur mit den Sachen, die sie gerade tragen.

"Frauen wurden vergewaltigt - Vergewaltigungen sind immer wieder eine Kriegswaffe im Kongo."
Antje Diekhans, Korrespondentin

Unter den Geflüchteten sind auch viele Kinder, die in dieser Situation kaum versorgt sind. Unicef hat gerade gewarnt, dass an die 400.000 Kinder unter fünf Jahren in der Kassai Region dermaßen unterernährt sind, dass ihnen der Hungertod droht. 

Der Kongo ist nicht im Fokus der Weltgemeinschaft

Besonders brisant ist dass, weil das Augenmerk der Welt derzeit eher auf Syrien oder den Irak gerichtet ist, sagt unsere Korrespondentin: "Der Kongo steht jetzt schon so lange auf der Liste der Krisenländer, dass es eine gewisse Gebermüdigkeit gibt."

"Die Bilder, die man jetzt aus dem Kongo sieht, das sind tatsächlich diese klassischen Hunger-aus-Afrika-Bilder. Das ist tatsächlich etwas, wo man mit Nothilfe dringend eingreifen muss."
Antje Diekhans, Korrespondentin

Die aktuellen Kämpfe haben vor etwa anderthalb Jahren begonnen. Grund dafür ist der Tod des Milizenführers Kamwina Nsapu im Jahr 2016. Nsapu war der Chef einer Gruppe, die gegen den Präsidenten Kabila kämpft. Er wurde von Soldaten getötet. In der an der Grenze zu Angola liegenden Kasai-Region kommt es seitdem immer wieder zu Angriffen auf Dörfer mit Massakern und Plünderungen.

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