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Nicht alles, wo gratis drauf steht, ist im Ende auch gratis - das gilt zum Beispiel für Apps, bei denen ihr mit euren Daten zahlt. Ein Journalist hat nachgeforscht, wo die Daten landen, die seine kostenlose Wetter-App erhebt. Die Antwort gefiel ihm gar nicht.

Die Infos, die eine gratis Wetter-App auf seinem Testhandy gespeichert hat, sind bei den US-Behörden gelandet - und zwar über den US-Datenhändler Venntel, der auf seiner Homepage mit "big data" wirbt. Das hat ein Journalist vom norwegischen Rundfunk herausgefunden. Nach ein paar Monaten hatte der Journalist bei Venntel mit dem Hinweis auf die EU-Datenschutzverordnung DSGVO nachgefragt – die DSGVO gilt neben der Europäischen Union auch für Norwegen, Liechtenstein und Island. Er bekam die gewünschten Infos: Auf Venntel-Servern wurden Tausende Standortdaten seines Smartphones gespeichert.

"Innerhalb weniger Monate wurden auf Venntel-Servern mehr als 75.000 Standortdaten seines Smartphones gespeichert."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Mit einer solchen Fülle an Standortabrufen lässt sich der Besitzer eines Smartphones identifizieren, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Denn es lassen sich Bewegungsmuster erkennen und die Besitzer dieser Daten wissen, wo dieser Mensch schläft, wo er arbeitet und wen er häufig besucht. Der Weg zum Klarnamen sei dann nicht mehr weit. Auch ohne zu der Adresse hinzufahren und aufs Klingelschild zu schauen, ginge das heute schnell – denn Adressdaten werden ebenfalls weltweit gehandelt.

Navi-App von Sygic und "Funny Weather"

Über mehrere europäische und amerikanische Firmen, die ebenfalls als Datenhändler fungieren, haben die norwegischen Journalisten die Quelle der Datenerhebung ausfindig gemacht: zwei Apps des slowakischen Unternehmens Sygic, das mit Navigationsprogrammen für Handys und Tablets sein Geld verdient und rund 70 Apps dafür anbietet – unter anderem die weltweit meistgenutzte Offline-Navigationsapp. Die Sygic-App hatte zwar bei der Installation auf die Erfassung der Standortdaten hingewiesen. Dass diese Daten dann weiterverkauft werden, war aber nicht unbedingt ersichtlich, berichtet Andreas Noll.

Datenhandel und die DSGVO

Außerdem war auf dem Testgerät des norwegischen Journalisten noch die Wetter-App "Funny Weather" installiert. Sie ergänzt die Wettervorhersage mit Bildchen und sarkastischen Texten. Im Appstore wurde sie mehr als eine Million Mal heruntergeladen und wird auch recht gut bewertet, so unser Netzreporter. Es sei kein Geheimnis, dass er die Standortdaten weiterverkaufe, so der App-Entwickler ZsuiwaL. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sei dieser Datenhandel aber ein Verstoß gegen die DSGVO, sagt eine von den norwegischen Journalisten befragte Juristin der Universität Bergen.

"Es ist schwer, dem Datenhandel zu entkommen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Das große Problem dabei sei, dass dieser Datenhandel kaum jemanden interessiere, sagt der Wiener Datenschutzexperte Wolfie Christl im Standard. Nutzerinnen und Nutzer könnten davon ausgehen, dass es um mehr als nur die im aktuellen Test genannten Apps geht, die Daten verkaufen, so unser Netzreporter. Es sei sehr schwierig, dem zu entkommen.

Auf speziellen Internet-Seiten ließen sich die Apps immerhin checken, für Android-Betriebssysteme etwa die Seite exodus-privacy.eu. Dort werden für die App "Funny Weather" schon 21 Tracker ausgespuckt – da sollten die Alarmglocken schlagen, sagt Andreas Noll.

Denkbar: Probleme bei Einreise in die USA

Die Folgen könnten nämlich durchaus mehr als nur die Privatsphäre betreffen. Der Datenhändler Venntel, so die norwegische Recherche, hat Verträge mit US-Behörden wie der Einwanderungsbehörde oder dem Zoll. Es sei also zumindest möglich, dass auch unsere Standortdaten dort landen – und so theoretisch zu Problemen bei der Einreise führen könnten. Fragen, ob sie diese Standortdaten der Europäer verwenden, haben die US-Behörden den Norwegern aber nicht beantwortet.