Auch auf den ersten Blick seriös aussehende Nachrichten im Internet können gefälscht sein. Seit dem Ausbruch des russischen Angriffskriegs in der Ukraine kopieren Kriminelle Videos westlicher Medien, um gezielt Desinformationen zu verbreiten.

Das als Spoofing bekannte Vorgehen Krimineller, um vermeintlich wahre Nachrichten für eigene Zwecke zu missbrauchen, greift weiter um sich. Nun wurde der TV-Sender Deutsche Welle (DW) Opfer einer solchen Attacke. In Japan macht ein angebliches Video des Senders die Runde.

Darin soll ein ukrainischer Geflüchteter Dutzende Frauen erpresst haben. Das Video verwendet das DW-Logo und hat andere typische Design-Merkmale des Senders. Allerdings stammt das Video gar nicht von der DW. Wie bei aktuell vielen Fälschungen geht es in dem Fall möglicherweise darum, prorussische Propaganda zu verbreiten.

"In dem gefälschten Video geht es darum, prorussische, antiukrainische oder antiwestliche Narrative zu bedienen. Nebenbei soll wohl auch die Glaubwürdigkeit etablierter westlicher Medien erschüttert werden."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Klar ist bislang nur, dass die Aufnahmen des angeblichen ukrainischen Geflüchteten von einer russischen Internetadresse stammen. Seit rund zehn Jahren spielt eine russische Trollfabrik mit dem Namen Internet Research Agency bei pro-russischen Fakes eine große Rolle. Aktuell gebe es aber keinen Beleg dafür, dass sie den konkreten Fall verantwortet, sagt Andreas Noll.

Gefälschtes BBC-Video erreicht 500.000 Views

Auch das Design der British Broadcasting Corporation (BBC) wurde verwendet, um Fehlinformationen zu verbreiten. Auf einem angeblichen BBC-Video ist der russische Raketenangriff auf den Bahnhof von Kramatorsk in der Ukraine zu sehen.

Das Video will diesen Angriff ukrainischen Truppen in die Schuhe schieben, sagt Andreas Noll. Dort waren Anfang April mehr als 50 Menschen getötet worden. Im Unterschied zum DW-Video, das sich in der Verbreitung auf den japanischen Raum beschränkt, erreichte das gefälschte BBC-Video eine halbe Million Views.

Prinzipiell kann aber jede*r hinter solchen Fälschungen stecken, denn mit professionellen Videobearbeitungsprogrammen ist es nicht schwer, ein Branding zu imitieren. Bisherige gefälschte Videos zum russischen Krieg in der Ukraine betreffen vor allem den englischsprachigen Teil der Weltbevölkerung, da sie in Englisch verfasst wurden.

"Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sehen wir definitiv eine starke Zunahme der Desinformationsattacken", sagt Joscha Weber, der Leiter des DW-Faktencheck-Teams. Das gelte ganz konkret für Spoofing-Attacken. Joscha Weber von der Deutschen Welle rät Nutzer*innen deswegen, bei Nachrichten ganz genau hinzusehen.