In einer chinesischen KFC-Filiale übernimmt ein Computer den prüfenden Kellnerblick - er wählt aus, was dem Kunden schmeckt.

Wenn ihr ein Restaurant betretet, wird euch der erfahrene Kellner scannen: Wie alt seid ihr, was habt ihr an, wie seid ihr gelaunt? All diese Faktoren sagen dem alten Gastro-Hasen nicht nur, wie viel Trinkgeld von euch zu erwarten ist, sondern auch, was für ein Gericht er euch vorschlägt.

In China läuft das mittlerweile anders: Einige der 4000 Filialen der Schnellrestaurant-Kette Kentucky Fried Chicken sind unseren Old-School-Hähnchen-Frittier-Anstalten Lichtjahre voraus. In Schanghai gibt es etwa eine - sehr nostalgisch eingerichtete - KFC-Filiale, in der euch ein kleiner süßer weißer Roboter namens Yumi begrüßt. Eure Bestellung gebt ihr bei ihm per Sprachbefehl auf. Ihr könnt sogar einen kleinen Smalltalk mit Yumi führen.

Die KFC- Filiale im Pekinger Finanzdistrikt geht jetzt aber noch einen Schritt weiter: Wenn ihr dort reingeht, werdet ihr sofort von Kameras erfasst, die euer Bild dann an eine Gesichtserkennungs-Software weitergeben.

Der digitale Kellner

Und die scannt euch dann - wie ein alter erfahrener Keller. Anschließend schlägt sie euch bei der Bestellung genau das vor, was zu euch passt.

"Die Software weiß schon, was du essen willst, bevor du es selbst weißt."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Das Blog Mobile Geeks stellt sich das so vor: "Das System analysiert meine grobporige Mischhaut und stellt fest, dass ich ein 'Pommes-Typ' bin". Oder: "Die Gesichtserkennung stellt fest, dass ich noch BBQ-Sauce im Gesicht kleben hab vom letzten Mal, und schlägt mir schlicht den dazu passenden Burger mit gleicher Sauce vor."

  • Unseren Moderator, glaubt Netzreporterin Martina Schulte, würde die KI wahrscheinlich gerade noch so für einen männlichen Kunden in den 20ern halten. Deshalb würde sie ihm wahrscheinlich einen Crispy Chicken Hamburger vorschlagen, gegrillte Chicken Wings und eine Cola
  • Einer 50-jährigen Frau würde die KI dagegen zum Frühstück wahrscheinlich Porridge und Sojamilch empfehlen.

Diese Kategorisierungen sind jedenfalls einer Pressemitteilung des chinesischen Suchmaschinenbetreibers Baidu zu entnehmen, mit dem KFC bei diesem Versuch zusammenarbeitet. Wenn das Pilotprojekt ein Erfolg ist, soll die smarte Gesichtserkennungs-Technologie auf mehr KFC-Läden in China ausgeweitet werden.

Kann die KFC-KI im Test bestehen?

Die Guardian-Journalistin Amy Hawkins hat das System getestet. Die Software war demnach in der Lage zu erkennen, dass sie eine Frau ist. Aber sie hat sie um Jahrzehnte zu jung eingeschätzt und ihr das gleiche Chicken-Burger-Gericht angeboten, dass auch männlichen 20-Jährigen vorgeschlagen wurde. Allerdings hat die KFC-KI Hawkins dann wohl auch noch ein paar kleinere, Frauenmagen-gerechtere Menüs angeboten.

Datenschutz in China

KFC und Baidu wollen mit der Gesichtserkennungssoftware "ein personalisiertes Bestellerlebnis" schaffen. Stammkunden sollen per Gesichtserkennung wiedererkannt werden.

"Kunden wird dann immer ihr Lieblings-Fastfood vorgeschlagen. In Zukunft könnten die dann nicht nur mit ihrem guten Namen, sondern auch mit ihrem guten Gesicht bezahlen."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Netzreporterin

Auch hier geht es natürlich mal wieder um die Frage, was euch wichtiger ist: Privatsphäre oder perfekter Service. Eine chinesische Kundin erzählt im Guardian, sie würde die Maschinen aus diesem Grund nicht nutzen. Die meisten Kunden sehen das allerdings anders. Eine Frau namens Li sagt dem Guardian: "In China gibt es ohnehin keine Privatsphäre".