Die Wartezeit für eine psychotherapeutische Behandlung ist lang. Schneller geht es, KI zu fragen, ob und um welche psychische Krankheit es sich handelt. Erste Einordnungen und Tipps der KI können hilfreich sein, eine Therapie ersetzt das nicht.

In die Praxis von Bastian Willenborg kommen oft auch Patient*innen, die vorher mit einer KI über ihre Krankheit gechattet haben. Manche würden sogar den Chatverlauf mit zum Arztgespräch bringen, erzählt der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie. Für eine erste Einordnung oder Orientierung kann so ein Chat nützlich sein, aber letztlich ersetzt das kein Arztgespräch oder eine Therapie, sagt Bastian Willenborg.

"KI ab und zu nutzen, kann auch hilfreich sein, aber es ersetzt sicherlich nicht das ärztliche Gespräch oder die Psychotherapie."
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie

Der große Vorteil an KI: Sie ist immer – 24/7 – erreichbar. Patienten und Patientinnen könnten die KI auch niedrigschwellig zu schambesetzten Themen befragen, was ihnen eventuell mit einer Person oder einem Arzt schwerfallen würde, meint Bastian Willenborg. Problematisch findet der Psychotherapeut, wenn Patient*innen der KI totalen Glauben schenken, denn leider liegt sie öfter mal falsch. Gerade bei psychisch schwerkranken oder suizidal gefährdeten Menschen kann das problematisch sein. Sie sollten besser immer die Ärztin oder den Arzt aufsuchen.

KI für psychisch Erkrankte weiter optimieren

Bastian Willenborg macht selbst Tests mit KI, um zu überprüfen, welche Ergebnisse geliefert werden und ob es beispielsweise bei bedenklichen Fragestellungen auch Hinweise auf Hilfsangebote oder den Rat gibt, den Arzt aufzusuchen. Und das hat in den Tests von Bastian Willenborg auch immer genauso funktioniert. Er hält es für wichtig, darüber zu diskutieren, welche Ergebnisse die KI liefere, damit eben solche wichtigen Hilfestellungen integriert werden könnten.

Bei einfachen psychischen Erkrankungen wird KI immer wichtiger

Der Psychotherapeut glaubt, dass sich KI in den kommenden Jahren noch so weiterentwickeln wird, dass einfache, nicht sehr komplexe Krankheitsbilder von einem KI-Chatbot als Alternative zur klassischen Psychotherapie behandelt werden könnte. Bei komplexen Krankheitsbildern wird es immer noch eine ärztliche Betreuung geben müssen, ist sich Bastian Willenborg sicher. Auch mit Blick auf Gruppentherapie wäre ein KI-Chatbot überfordert.

Shownotes
Künstliche Intelligenz
Welchen Einfluss hat KI auf die Psychotherapie?
vom 11. Oktober 2026
Moderator: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie