Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen können sich nicht mehr mit ihm anfreunden. Zu teuer, zu strenge Vorgaben, nicht zeitgemäß.

Die beiden Wissenschaftler Matthias Meitzler und Thorsten Benkel erforschen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des klassischen Friedhofs. Sie kommen nach Auswertung einer Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung in Deutschland nicht mit den überaus strengen Bestattungsgesetzen und Friedhofsregelungen einverstanden ist. Sie flieht regelrecht vom Friedhof, lässt die Asche stattdessen lieber übers Meer verstreuen, sich anonym im Nirgendwo beerdigen, unter einem Baum oder neben dem geliebten Haustier.

"Biologisch ist nichts anders. Kulturell ist alles anders. So wandelt sich die Bedeutung des Todes."
Thorsten Benkel, Universität Passau

Viele der neuen Bestattungsformen sind verboten. Die Soziologen verweisen jedoch darauf, dass das Missverhältnis zwischen der Gesetzeslage und den individuellen Wünschen immer krasser wird. So krass, dass sich Menschen ganz bewusst nicht mehr daran halten, denn sie bewerten die Vorgaben von Staat und Kirche als pure Willkür.

Nach Informationen von DRadio Wissen gibt ein deutsches Beerdigungsinstitut Asche von Verstorbenen nach der offiziellen und anonymen Beisetzung heimlich an die Angehörigen weiter, wenn diese das wünschen.

Die Asche des Toten wird in solchen Fällen zweigeteilt, der persönliche Friedhof kann dann im eigenen Wohnzimmer entstehen. Die beiden Wissenschaftler Benkel und Meitzler sind sich sicher, dass die Gesetzeslage in Deutschland deshalb nicht mehr lange halten wird.

Matthias Meitzler verweist in der Sendung auf noch weitere Formen moderner Bestattungsrituale. Zum Beispiel auf Facebook oder Youtube. Freunde vor allem von jungen Verstorbenen kondolieren dann im Netz auf extra eingerichteten Seiten. Das Beileid wird sowohl dort bekundet als auch bequem zu Hause am PC entgegengenommen - nicht mehr am Grab.

"Und auf solchen Seiten kann man dann Texte verfassen, man kann Bilder und Videos hochladen oder auch virtuelle Kerzen anzünden."
Matthias Meitzler, Kulturwissenschaftliches Institut Essen

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