Eigentlich gibt es Franco nicht mehr. Er ist jetzt Jim und lebt ein friedliches Leben. Doch dann wird sein Sohn aus erster Ehe ermordet. Und es kommt zu einem "kurzen Abstecher", so heißt das Buch von Irvine Welsh.

Franco Begbie - der durchgeknallte Brutalo aus "Trainspotting" - lebt glücklich mit Frau und Kindern in den USA und produziert erfolgreich unter dem Künstlernamen "Jim Francis" Skulpturen und Gemälde, bis ihn der Mord an seinem Sohn aus erster Ehe dazu zwingt, nach Edinburgh zurückzukehren - und somit auch in sein altes, gefährliches und beschissenes Gangsterleben, wo er noch Franco hieß.

Franco Begbie ist zurück in der Stadt - der aus Irvine Welshs Debütbestseller "Trainspotting". Das Buch ist inzwischen sechsundzwanzig Jahre alt. Und alle Figuren darin sind von der Bildfläche verschwunden oder älter geworden. Auch Franco. Noch im Gefängnis hatte er sich in die Kunsttherapeutin Mel verliebt - und sie sich in ihn.

Mit ihrer Hilfe hat er das Land verlassen und gelernt, seine Wut zu kontrollieren, seine Sucht nach Gewalt zu kanalisieren. Er hat den Kontakt zu seiner alten Familie abgebrochen, zu den alten Bossen und Kollegen, zu seiner Ex-Freundin June und zu seinen beiden Söhnen Sean und Michael. Die gehören zum alten Leben von Franco.

Franco wird erwartet

Seine alte Hood hat ihn nicht vergessen. Im Gegenteil: Ein paar Menschen haben Franco bereits sehnsüchtig erwartet. Sie haben gewusst, dass Franco nicht ruhig bleiben wird, wenn man ein Familienmitglied tötet, dass er kommen und nach dem Mörder suchen wird, weil Franco es schon immer so gemacht hat und nie anders machen wird.

Franco alias Jim klappert systematisch die Adressen ab, an die er sich noch erinnern kann. Elspeth hat inzwischen einen netten Mann, zwei taffe Söhne, aber sie selbst ist misstrauisch geblieben. Sie nimmt Franco seine Gelassenheit nicht ab, da kann er so viel atmen, zählen und freundlich nicken wie er will. Sie guckt in die Augen ihres Bruders und sieht die Gefahr, die von ihm ausgeht. Sie sieht, was auch Francos Frau Mel manchmal sieht, aber nicht sehen will.

Mel weiß bescheid

Während ihr Mann in Edinburgh die letzten Tage seines Sohnes zusammenpuzzelt, sitzt sie in den USA einem Polizisten gegenüber, Harry. Er ist da, weil Mel eine Belästigung gemeldet hat. Zwei Männer hatten sie und ihre Töchter am Strand bedrängt. Franco war ruhig geblieben. Die Polizei wollte er nicht einschalten. Als ihr Harry eröffnet, dass einer der beiden Männer brutal zugerichtet aus dem Meer gefischt wurde, weiß Mel Bescheid: Franco ist zurück.

Sie muss nicht lange überlegen: Sie wird Jim zurückholen. Und Jim wird ihr folgen, wenn er fertig ist.

Buch:

"Kurzer Abstecher" (OT: „The Blade Artist“) von Irvine Welsh, aus dem schottischen Englisch ins Deutsche übersetzt von Stephan Glietsch, erschienen bei Heyne Hardcore, ET: 11.09.2017.

Autor:

Irvine Welsh, geboren 1957 in Leith bei Edinburgh, schreibt Romane und Kurzgeschichten und gilt als einer der wichtigsten Autoren der Underground-Literatur. Sein Debütroman Trainspotting und die gleichnamige Verfilmung mit Ewan McGregor machten ihn international bekannt.