Josie ist mit ihren besten Freundinnen sehr eng. Ihnen körperlich nah zu sein, fühlt sich für sie aber seltsam an. Berührungen verbinden wir eher mit einer Beziehung – in einer Freundschaft kann sie uns aber genauso guttun.
Körperliche Nähe ist für Josie wichtig. Für sie ist das eine emotionale Wärme. Das tut ihr gut, sagt sie. Mit ihren besten Freundinnen fühlt sich Körpernähe aber komisch für sie an.
Als ihre beste Freundin zum Beispiel einmal ihren Kopf auf Josies Schulter gelegt hat, war diese Nähe etwas, bei dem sie ein Störgefühl hatte. "Ich weiß nicht, warum. Es ist eigentlich schön. Aber es ist so fremd", sagt sie.
"Ich habe zwei, drei beste Freundinnen und bei denen ist richtiger Körperkontakt für mich ganz komisch."
Ihre besten Freundinnen kennt Josie seit der Kindergartenzeit. Sie teilen so gut wie alles miteinander. Doch wenn sie sich vorstellt, mit ihnen zu kuscheln, bekommt Josie Gänsehaut, weil alleine der Gedanke daran unangenehm für sie ist.
Bei neuen Menschen, die sie kennenlernt, ist das anders. Die kann sie umarmen, zum Beispiel zum Hallo sagen.
Nähe und Distanz
Nähe kann unterschiedliche Funktionen erfüllen. "Beziehungen können gestiftet, gefestigt, aufrechterhalten, aber auch geschwächt oder sogar beendet werden", sagt Romy Simon. Sie forscht an der Technischen Uni Dresden dazu.
Unser Umgang mit Nähe hängt unter anderem davon ab, wie wir aufgewachsen sind und welche Erfahrungen wir gemacht haben. Das Bedürfnis nach Nähe ist individuell. Sie zu meiden, kann zum Beispiel ein Schutzmechanismus sein, wenn das Aufwachsen etwa durch Unsicherheit oder Überforderung geprägt war.
Für Frauen okay, für Männer eher nicht – der gesellschaftliche Kontext
Auch der gesellschaftliche Kontext kann einen Einfluss haben. Manche Berührungen werden zum Beispiel unter Frauen gesellschaftlich mehr akzeptiert, während sie unter Männern eher ein Tabu sind, erklärt Romy Simon.
"Man kann Zuneigung ausdrücken, Freude, Anerkennung, aber ebenso Angst und Trost signalisieren."
Wir haben als Gesellschaft irgendwann auch festgelegt, wann und wo Berührung stattfindet. "Wir haben das sehr auf den Bereich der Paarbeziehung eingegrenzt. Wir haben sehr lange gelernt, wie das im sozialen Kontext stattfindet. Ich glaube, gerade dieser Lernprozess gibt uns manchmal dieses Gefühl: Das passt hier gar nicht her – darf das hier sein?", erklärt die klinische Sexologin und psychologische Beraterin Lea Holzfurtner.
Berührung ist gesund
Dabei ist Berührung ein Grundbedürfnis. Sie tut uns gut: Stress und Ängste nehmen ab, auch das Schmerzempfinden kann weniger werden. "Deswegen darf das auch in anderen Bereichen stattfinden und darf auch diese zusätzliche Nähe und Verbundenheit in Freundschaft stärken", so Lea Holzfurtner.
Voraussetzung, damit das auch funktioniert, ist die Zustimmung (Konsens) aller Beteiligten.
Wenn wir uns mehr Nähe in unseren Freundschaften wünschen, können wir das offen kommunizieren und unsere Freund*innen fragen, wie sie dazu stehen, empfiehlt die psychologische Beraterin. Das gleiche gilt für den umgekehrten Fall: Sollten uns Umarmungen und Körperkontakt mit Freund*innen zu viel sein, sollten wir das ansprechen, empfiehlt sie.
"Körperliche Nähe und körperliche Berührungen sind ein großes Grundbedürfnis von Menschen und haben unglaublich viele positive Effekte."
Wir können körperliche Nähe auch außerhalb von Freundschaften finden. Angefangen bei uns selbst. "Eine Berührung, die man sich selber schenkt, hat neurobiologisch eine Wirksamkeit", erklärt Lea Holzfurtner. Was auch helfen kann, ist eine Massage oder eine Sportart, bei der es viel um Körperkontakt geht, wie etwa Akrobatik.
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