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Manchmal wollen wir möglicherweise gar nicht so genau wissen, ob der Kakao in unserem Schokotörtchen wirklich fair und umweltfreundlich gewonnen wurde. Denn wenn wir uns intensiv damit beschäftigen würden, könnte das zur Folge haben, dass uns der Appetit auf das Törtchen vergeht. Die Nachhaltigkeitsforscherin Nina Langen spricht in ihrem Vortrag darüber, welche Lebensmittel nachhaltig sind und welche vielleicht nur den Eindruck vermitteln, dass sie es sind.

Schokolade zum Beispiel: Etwa 1,5 Millionen Kinder sind aus Ghana an die Elfenbeinküste verschleppt worden, um Nahrungsmittel zu gewinnen. Zwar können wir glauben, dass die Schokolade, die wir uns schmecken lassen, unter fairen Handelsbedingungen hergestellt wurde – doch ist sie das wirklich?

Wir vertrauen vielleicht dem Hersteller. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit der Wirklichkeit zu tun.

"Will ich bei Schokolade wirklich wissen, dass die Kinder geerntet haben, die man an die Elfenbeinküste verschleppt hat und die mit Macheten durch die Bäume kraxeln und sich die Hände abhacken?"
Nina Langen, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin

Niemals, so Nina Langen, stehe auf den Labels, dass diese und jene Schokolade durch Kinderarbeit hergestellt worden ist. Das würden wir gar nicht wissen wollen.

Doch 60 Prozent der weltweiten Schokoladen-Produktion kommt so zustande. Das hat eine im Oktober veröffentlichte Studie ergeben, die von der US-Regierung in Auftrag gegeben worden war.

Nina Langen möchte, dass wir uns ändern. Aber wie soll das funktionieren, wenn selbst die, die es wissen sollten, einen höchst negativen Nahrungsmittelkonsum an den Tag legen? Fragt die Wissenschaftlerin und verweist etwa auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums, die in der Kantine kaum nachhaltig essen, wie Nina Langen herausgefunden hat.

Drei kleine Würstchen sind nachhaltiger als ein großes

Noch ein Beispiel ihrer Forschungen: Drei Würstchen à 30 Gramm machen satter als eins zu 120 Gramm – und sind somit nachhaltiger. Der Grund: weil wir die Beilagen auf dem Teller falsch bewerten.

Und aufgepasst, wenn euch Nina Langen oder ihre Mitarbeitenden beim Bezahlen beobachten, dann ziehen sie daraus Rückschlüsse: Zahlt ihr bar, stammt das gewählte Brot womöglich von einem der selten gewordenen Bio-Bäcker, der völlig ohne Ergänzungsmittel arbeitet. Bei Kartenzahlung kauft ihr womöglich gerade Fertigprodukte oder Ähnliches.

Auf dem Portal zur Nachhaltigkeit nahgast.de könnt ihr eure eigenen Essgewohnheiten in Bezug auf die Umweltbelastung checken.

Der Vortrag

Nina Langen leitet das Fachgebiet Bildung für nachhaltige Ernährung und Lebensmittelwissenschaft des "Instituts für Berufliche Bildung und Arbeitslehre" an der Technischen Universität Berlin. Sie ist 2011 mit dem Nachwuchspreis der Verbraucherzentrale NRW für ihre Dissertation über ethischen Konsum ausgezeichnet worden und erforscht seit Jahren unsere Essgewohnheiten im Kontext mit Nachhaltigkeit.

Gesprochen hat sie am 15. September 2020 Corona-bedingt per Livestream. Der Vortrag trug den Titel "Ernährung-nachhaltig" und fand innerhalb der Veranstaltungstrilogie "Zukunft Mensch" im Auftrag der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt am Main statt.