Ab sofort ist Schluss für den Online-Lieferdienst Deliveroo. Durch den Wegfall der türkisfarbenen Marke hat der Konkurrent Lieferando jetzt eine Monopolstellung auf dem Lieferdienst-Markt.

Der Rückzug von Deliveroo sei trotzdem positiv, meint Keno Böhme von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Er hat früher selbst als Rider für verschiedene Online-Lieferdienste gearbeitet und meint, Lieferando hatte zuletzt die vergleichsweise besten Arbeitsbedingungen. Allerdings müsse man auch hier abwarten, wie sich das Unternehmen weiter verhält.

"Natürlich ist es jetzt im Interesse von Lieferando, das Geschäft mit den Ridern so wenig verlustreich wie möglich zu gestalten."
Keno Böhme, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Denn: Laut Geschäftsführer Jörg Gerbig sei das Geschäft mit den Fahrradkurieren nicht sonderlich profitabel. Das zusätzliche Angebot gebe es nur noch, weil es sich die Kunden wünschen, berichtet manager-magazin.de.

Verluste im Rider-Geschäft verringern

Für das Unternehmen gehe es daher jetzt darum, die Verluste so gering wie möglich zu halten, meint Keno Böhme. Dafür sieht er folgende Möglichkeiten:

  • Die Löhne der Fahrer senken
  • eine Liefergebühr für Bestellungen einführen, die ein Fahrradkurier bringt
  • die Provision erhöhen, die Restaurants an den Lieferdienst zahlen müssen. Aktuell liegt die zwischen zwanzig und dreißig Prozent.

Generell sei es weiterhin aber vertretbar, Essen über einen Online-Lieferdienst zu bestellen, meint der ehemalige Fahrer. Neben guten Arbeitsbedingungen sei für die Rider vor allem ein gutes Trinkgeld und ein freundlicher Umgang mit den Kundinnen und Kunden wichtig.

Solo-Selbstständigkeit funktioniert nicht für Fahrer

Das Ende von Deliveroo erklärt sich der Gewerkschafter unter anderem durch die Art der Beschäftigung der ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn das Unternehmen beschäftigte seine Rider zuletzt als Solo-Selbstständige. Das bedeutet, die Fahrradkuriere waren scheinselbstständig: Mit dem Lieferdienst-Unternehmen standen sie in einem typischen Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis.

Damit habe der Lieferdienst auf die Gründung eines Betriebsrates reagiert, meint Keno Böhme. Um eine Solo-Selbstständigkeit für alle Rider einzuführen, lies das Unternehmen die befristeten Verträge auslaufen.

Das jetzige Aus der türkisfarbenen Marke zeige, dass das Unternehmen von dieser Form der Beschäftigung nicht profitierte.