Als die Stadtverwaltung München 2003 auf Linux umstellte, sorgte das für Schlagzeilen. Doch dann wollte man wieder zurück auf Microsoft wechseln. Mittlerweile ist das Chaos perfekt, die Stadt will doch wieder mehr Open-Source-Software nutzen. Was denn nun?

Als sich die Stadtverwaltung München für Linux als neues Betriebssystem entschied, reiste damals sogar der Microsoft-Chef nach München. Er wollte den Umstieg verhindern. Doch das half nichts.

Linux versus Microsoft

München stieg auf Linux um. Doch nach einigen Jahren entschied man sich, wieder zu Microsoft zurückzukehren. Diese Rolle rückwärts will München aber wieder stoppen. "Grüne und SPD haben das Thema Open Source und Linux wieder nach vorne geholt", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Die beiden Parteien hatten bei den Kommunalwahlen im März 2020 gewonnen.

Im Koalitionsvertrag steht unter anderem: "Wo immer technisch und finanziell möglich, setzt die Stadt auf offene Standards und freie Open-Source-lizenzierte Software und vermeidet damit absehbare Herstellerabhängigkeiten."

Ein Ausstieg aus dem Ausstieg könnte jedoch schwierig werden. Zum einen ist der Umstieg von Linux zurück auf Windows noch nicht beendet. Es wird noch bis Ende 2021 dauern, bis alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder auf Windows 10 gewechselt sind. Zurzeit nutzen noch viele auf ihren Computern eine Linux-Oberfläche.

"Der Umstiegsprozess von Linux zurück auf Windows läuft noch."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Zum anderen muss man abwarten, was die politische Ankündigung im Koalitionsvertrag genau bedeutet und wie sie umgesetzt wird.

Bislang gibt es noch keinen Vertrag mit einem Dienstleister über die Lieferung neuer Software. Doch mit dem Koalitionsvertrag bekenne sich die Stadt dazu, Open Source zu fördern, so Andreas Noll. Auch wolle München das gesammelte Know-how mit Linux nicht verlieren. Immerhin war der Umstieg 2003 ein viel beachtetes Projekt.

Es gab auch Probleme mit den Nutzerinnen und Nutzern

Warum es scheiterte, dafür gebe es verschiedene Gründe, sagt Andreas Noll. Er sieht vor allem "Kompatibilitäsprobleme" zwischen der Software und den Nutzerinnen und Nutzern. "Die User sind in ihren Büros oder an den Hochschulen schon lange Windows-PCs mit Office gewöhnt." Der Umstieg sei vielen schwer gefallen.

"Die User tun sich beim Umstieg auf Alternativen schwer. Jedes IT-Problem wird dann schnell auf Linux geschoben."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Aber hinzu kamen auch technische Schwierigkeiten. Für viel Ärger sorgten zum Beispiel Kompatibilitätsprobleme bei Datei-Formaten. Auch weil alle anderen Behörden eben nicht Linux benutzen. Außerdem hatte sich die Stadt München vom Umstieg erhofft, mehr Ausgaben einsparen zu können.

Wie es in München konkret weitergeht, muss sich zeigen. Möglicherweise werden erst einmal kleinerer Software-Projekten verstärkt mit Open Source arbeiten.