• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Der Roman "Deine kalten Hände" von Han Kang erzählt von einer Autorin, die nicht nur mit jedem Satz, sondern auch mit ihrem Leben ringt.

Immer wieder stößt die Autorin zufällig und über den Zeitraum von mehreren Jahren hinweg auf Skulpturen des Künstlers Jang Unhyong. Es handelt sich dabei um Gipsabdrücke von einzelnen Körperteilen oder ganzen menschlichen Körpern. Während sie außen jede Pore, jedes Haar und jede Ader zeigen, sind sie an den Rändern wie abgeschnitten und innen ganz hohl.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Auf die Hülle reduziert

Im Grunde zeigen die Skulpturen nur Hüllen. Hüllen umhüllende Hüllen, denn auch die Haut der Menschen war nur eine Hülle, die ein Inneres verbarg. Jedes Mal, wenn sie darüber nachdenkt oder die Arbeiten betrachtet, bekommt die Schriftstellerin eine Gänsehaut. Und sie bekommt sie auch, als sie dem Bildhauer eines Abends persönlich begegnet, natürlich auch ganz zufällig nach der Theaterpremiere einer Freundin.

Reiner Zufall oder minutiöse Planung eines Verbrechens

Genauso zufällig wie es eine der Skulpturen von Jang Unhyong in das Stück und auf die Bühne geschafft hatte. Der Schriftstellerin kommt es so vor, als ob das ganz schön viele Zufälle sind. Sie spricht den Künstler an. Das überrascht ihn.

Ein Verbrechen, das nicht stattgefunden hat

Sie fragt ihn, warum er Abdrücke von Menschen nimmt. Er bleibt ihr eine Antwort schuldig. Stattdessen fragt er sie, ob sie für einen Abdruck Modellstehen möchte. Ihre Antwort darauf: nein. Ein einziges, kleines Wort, das ihr rückblickend vielleicht das Leben gerettet hat.

"Jeder Roman der koreanischen Schriftstellerin Han Kang ist auf die eine oder andere Weise weird. Sei es 'Die Vegetarierin', in der eine leise Ehefrau ihre Stimme erhebt und verkündet, kein Fleisch mehr zu essen, sei es der unfassbar gewaltvolle Roman 'Menschenwerk' oder der Roman im Roman über einen Bildhauer und seine Beziehung zu fehlenden oder ungeliebten Körperteilen anderer Menschen."
Lydia Herms über die Romane der koreanischen Schriftstellerin Han Kang

Zwei Jahre später liegt die Schriftstellerin krank in ihrem Bett und liest das Manuskript von Jang Unhyong. Seine Schwester hatte es ihr als Einschreiben zukommen lassen, als letzte von allen Personen, die darin erwähnt werden und mit der Bitte, es zu lesen und ihr zu helfen.

Jang sei verschwunden und mit ihm eines seiner Models. Blut hätte man in seinem Keller-Atelier gefunden, zwischen mehreren zerstörten Gipsabdrücken, von Oberkörpern, Beinen, Armen – und Händen.

Das Buch

"Deine kalten Hände" von Han Kang, aus dem Koreanischen übersetzt von Kyong-Hae Flügel, erschienen im Aufbau-Verlag, 311 Seiten, Taschenbuch: 12 Euro, E-Book: 8,99 Euro, ein Hörbuch gibt es auch, u.a. bei BookBeat und Audible, gelesen von Heikko Deutschmann und Rike Schmid; ET: 15.02.2019 (in Korea: 2002)