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Der Roman "Die militante Madonna" von Irene Dische erzählt von einer historischen Figur, die sich mal in Männerkleidern, mal in Frauenkleidern zeigte. Charles d'Eon de Beaumont spielt mit seiner Genderfluidität, wogegen andere gewaltvoll vorgehen.

Charles d'Eon de Beaumont liebt das Fechten. Er gewinnt jedes Turnier. Sein Geheimnis: Er vertraut auf sich und liebt das Risiko. Er liebt es auch, die Menschen im Ungewissen zu lassen: über seine Art, an Geld zu kommen, über seine politische Haltung, über seine sowohl privaten als auch geschäftlichen Beziehungen ins französische Königshaus – und über sein Geschlecht.

Mars und Minerva

Nach einem erneuten Fechtkampf möchte Charles ein Ganzkörperporträt von sich malen lassen. Das Gemälde soll alle Vorzüge seiner anmutigen Gestalt abbilden und ihn im Stil des Kriegsgottes Mars zeigen mit Helm und Speer, in braunem Waffenrock und roséfarbenem Umhang.

Als der Maler ihn mit dem fertigen Porträt zu Hause besucht, bittet er Charles, ihn noch einmal zu malen. Dieses Mal allerdings als Kriegsgöttin Minerva. Charles ist begeistert.

Das Gerede und die Spekulationen um sein Geschlecht amüsieren ihn. Ist der Chevalier d'Eon de Beaumont ein Mann, der gerne Frauenkleider trägt? Oder eine Frau, die sich kleidet wie ein Mann? Charles mag es, die Menschen zu irritieren. Er erkennt allerdings erst viel zu spät, dass er deswegen auch in Gefahr ist.

"Schon damals beschäftigte das Geschlecht die Gemüter der Menschen – die das eigentlich gar nichts angeht – so sehr, dass sie sogar gewalttätig wurden, um es herauszufinden."
Lydia Herms über den Roman "Die militante Madonna" von Irene Dische

"Die militante Madonna"

In ihrem Roman "Die militante Madonna" erzählt die US-amerikanischen Autorin Irene Dische die teilweise fiktive Geschichte einer historischen Figur. Bis heute gibt es noch Porträts vom echten Charles d'Eon de Beaumont. Ein Gemälde zeigt ihn zum Beispiel in einem Kleid mit einem Tuch um den Kopf und Perlenschmuck. Das Gemälde wird der Malerin Angelika Kauffmann zugeschrieben.

Irene Disches Roman erzählt also von einem Menschen, der genderfluide war, sein Geschlecht also wechselte – und das vor mehr als zweihundert Jahren. Beim Erzählen der Geschichte spielt die Autorin mit den Leser*innen ähnlich wie ihr Protagonist, wenn es um die Frage geht, wie viel von der Geschichte fiktiv und wie viel davon tatsächlich passiert ist.

Das Buch

"Die militante Madonna" von Irene Dische, aus dem Englischen übersetzt von Ulrich Blumenbach, Hoffmann & Campe, ca. 220 Seiten, Hardcover: 22 Euro, Taschenbuch: 14 Euro (erscheint im Oktober 2022), Hörbuch gelesen von Jens Wawrczeck; Erscheinungstag: 05.10.2021