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"Römische Tage" heißt der Roman von Simon Strauß, in dem ein junger, erschöpfter und namenloser Mann eine Stadt durchstreift, die für viele Sehnsuchtsort war und immer noch ist.

Der Abend ist perfekt: laues Lüftchen, roter Himmel, die Menschen freundlich. Sein Handy klingelt und er geht ran. Es ist eine Kollegin. Sie telefonieren nicht lange.

Als er auflegt, ist die Stadt um ihn herum irgendwie verändert. Die Gasse ist dunkel. Die Menschen wirken misstrauisch. Der Zauber ist weg.

Der Reisende erkennt: Er hätte sich entscheiden müssen. Entweder kümmert er sich um die Besetzung von offenen Stellen in der Verwaltung seiner Firma – oder er lebt den Moment, ist in Rom und lässt sich treiben, während er durch die Gassen läuft.

Rom ist ein Versprechen

Das Rom, das der namenlose Protagonist des Romans "Römische Tage", bei seinen Spaziergängen durch die Stadt erlebt, ist gar nicht unbedingt das, was andere wahrnehmen. Wie er sehen auch viele andere Touristen die Geburt der Aphrodite im Palazzo Altemps, rümpfen die Nase, wenn sie dem Fluss Tiber zu nahe kommen, weil er brackig riecht, und hören die gleichen Straßenmusiker wie er. Sie sitzen auf denselben Stufen, um ihr Eis zu schlecken, bevor es geschmolzen und klebrig über ihre Hände fließt.

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Rom ist mehr als ein Ort, den man sehen, riechen und hören kann

In Rom kann er einer aufregenden Frau mit Leberfleck auf der Wange durch die Gassen folgen, ohne ein ungutes Gefühl zu haben. Er kann sie dabei beobachten, wie sie eine Pizza isst und sich danach eine Zigarette ansteckt.

In Rom kann er seinen Freund Nico vermissen. Der hatte Krebs und ist gestorben, bevor er dreißig wurde. Nico, mit dem er in England studiert und zusammengewohnt hat. Nico, der mit seinen Frauen immer im Bett seines Freundes geschlafen hat, weil sein eigenes zu dreckig war. Gern würde er jetzt mit Nico ziellos und lachend durch Rom laufen.

Die Unbeschwertheit als Souvenir mitnehmen

In Rom kann der junge Mann endlich schlafen. In Rom kann er sich Eiswürfel in die Brusttasche seines Hemdes stecken, damit sie sein Herz kühlen. Er kann zum Arzt gehen, weil sein Puls so rast, und sich eine Spritze geben lassen, von der er nicht weiß, wofür oder wogegen, ohne sich jedoch ernsthaft Sorgen darüber zu machen.

Er kann auf Parties gehen, Parties, auf denen die Reichen in Limousinen vorfahren, und auf denen die Normalen zum selbstverliebten Geschwafel eines Moderators eine endlos lange Polonaise bilden.

Er kann sich vorstellen, wie es wäre, im Beichtstuhl Sex zu haben

In Rom scheint alles möglich zu sein. Der junge Mann weiß nicht genau, warum. Aber er weiß, was er nach den zwei Monaten Auszeit unbedingt machen muss. Er muss das Gefühl mitnehmen. Zurück nach Deutschland, nach Kassel, ins Büro. Oder: wohin auch immer.

Das Buch

Simon Strauß: „Römische Tage“, Tropen Verlag, 142 Seiten, 18 EUR, E-Book: 13,99 EUR, Hörbuch gelesen von Jens Harzer (Audible, Spotify) , Erscheinungstag: 22.06.2019