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Kopfkino, in der die eigene Freundin oder der eigene Freund eine Hauptrolle hat, kann schön sein - oder schlimm, wenn man eifersüchtig ist. In Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" kämpft ein Mann gegen diese Bilder an. Dabei weiß er aber nicht genau, was real ist und was Traum.

Vielleicht hätten sie nicht auf die Party gehen sollen, Albertine und Fridolin. Es war ihre erste in diesem Jahr, eine Kostümparty - gerade noch rechtzeitig, bevor die Karnevalszeit zu Ende sein würde. Beide hatten nicht viel vom Abend erwartet, außer gutes Essen und einen Schwips vielleicht.

Bereits am Eingang war Fridolin an zwei Kostümierte geraten, die verdammt viel über ihn zu wissen schienen, sich aber nicht zu erkennen gaben. Und bevor er hinter ihre Masken blicken konnte, ließen sie ihn einfach stehen und hauten ab. Auch Albertine hatte eine unerfreuliche Begegnung mit einem melancholischen Typen, der sie mehr als fragwürdig von der Seite angequatscht hatte.

"Es geht um die Liebe in Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" aus dem Jahr 1926. Es geht um das Begehren, um Eifersucht, um die Angst, vergessen zu werden."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Autorin

Am darauffolgenden Abend liegen sie nebeneinander im Bett, reden über die zurückliegende Party, zwanglos und gut gelaunt. Doch aus dem Geplänkel wird plötzlich ein Spiel, bei dem sich beide harmlose aber lauernde Fragen stellen: Wer hat wen gesehen oder erkannt? Wer stand wo wie lange mit wem und warum? Ihre Antworten sind zwar lustig gemeint, aber auch doppeldeutig, als stecke in jeder von ihnen ein kleines Geheimnis. Oder eine Lüge? 

Geheime Gefühle unter der Oberfläche

Natürlich überspielen beide die aufkommende Eifersucht. Albertine und Fridolin lieben sich. Sie haben eine kleine Tochter. Ihr Leben ist gut. Während sich Albertine um das Kind und den Haushalt kümmert, macht Fridolin Hausbesuche bei Kranken. Er ist Arzt. 

Doch schon im letzten Sommer - nicht erst auf der Party - haben beide bislang unbekannte Gefühle bei sich entdeckt: Albertine erzählt, dass sie am Strandurlaub einen jungen Mann beobachtet hat. Vielleicht hat er sie auch gesehen. Und während sie Fridolin küsste, hatte sie an den Fremden gedacht. Fridolin kocht vor Wut.

Ist das alles nur ein Traum?

Da kommt es ihm gelegen, dass er jetzt, mitten in der Nacht, zu einem Notfall gerufen wird. Doch der Patient stirbt recht bald. Fridolin geht aber nicht nach Hause. Er zieht los, die Nacht ist noch jung. Er landet in Privatzimmern und in Kneipen, er trifft Frauen, und er trifft Männer, er trifft sogar sonderbare Gestalten. Er verliert sich. Und fragt sich später: Hat er alles nur geträumt?

"Traumnovelle" von Arthur Schnitzler, erschienen 1926 im S. Fischer Verlag. Das Buch liegt heute vor im Insel Verlag, bei Reclam u.a.. Preise liegen im Schnitt bei vier Euro (Reclam). Oder kostenlos lesen beim Projekt Gutenberg-DE: http://gutenberg.spiegel.de/buch/traumnovelle-1-5358/1