Nach den ersten Lockerungen der Covid-19-Beschränkungen kritisiert Angela Merkel die nun entstehenden "Öffnungsdiskussionsorgien" in den Ländern. Sie warnte vor einem Rückfall bei nachlassender Disziplin. Wir haben uns die Kritik der Kanzlerin von Nadine Lindner, unserer Dlf-Korrespondentin in Berlin, einordnen lassen.

Nach einem Bericht der Tagesschau kritisierte Angela Merkel in einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums mit ungewöhnlich scharfen Worten, dass die Botschaft vorsichtiger Lockerungen in einigen Ländern zu "Öffnungsdiskussionsorgien" geführt hätten. Dies erhöhe das Risiko eines Rückfalls sehr stark.

Aber gehen die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten tatsächlich zu leichtfertig mit der Situation um? Unsere Dlf-Korrespondentin Nadine Lindner hat auf jeden Fall das Gefühl, dass die Bundeskanzlerin sehr genau darauf schaut, wie die vereinbarten Lockerungen in der Praxis umgesetzt würden.

"Ich habe schon das Gefühl, dass Angela Merkel sehr skeptisch darauf schaut, wie die Lockerungen, auf die man sich geeinigt hat, in der Praxis tatsächlich auch umgesetzt werden."
Nadine Lindner, DLF-Korrespondentin in Berlin

Unklar ist allerdings, auf wen genau Angela Merkel ihre Aussagen gemünzt hat. Gemeint sein könnte zum Beispiel NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. So war die Kölner Fußgängerzone zu Wochenbeginn wieder gut gefüllt. Auch wird in der Domstadt offenbar über Sonntagsöffnungszeiten für Läden diskutiert.

Die Debatten um eine Lockerung nehmen zu

In Bundesländern wie Rheinland-Pfalz oder Brandenburg denkt man darüber nach, Zoos wieder zu öffnen. Und auch Geisterspiele in der Fußballbundesliga sind in der Diskussion. Tatsächlich wird momentan eine Reihe von Debatten geführt und ein Endpunkt ist nicht abzusehen, sagt Nadine Lindner.

"Mein persönlicher Eindruck war auch, dass dort eine ganze Welle von Debatten auf einmal geführt wird. Und man weiß noch nicht so genau, wo eigentlich der Endpunkt erreicht sein wird."
Nadine Lindner, DLF-Korrespondentin in Berlin

Das Wort "Orgie" assoziiert man eigentlich nicht mit der Bundeskanzlerin, sagt Nadine Lindner. Umso interessanter ist es, dass die Bundeskanzlerin den Begriff im CDU-Präsidium verwendet hat – und damit in einem halb-öffentlichen Raum, aus dem immer wieder Informationen an die Presse durchsickern. Das weiß auch Angela Merkel, dafür ist sie lange genug im Geschäft.

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Für die Opposition könnte das zur Steilvorlage werden, vermutet Nadine Lindner. Aus den Reihen der FDP hieß es dann auch gleich, die Kanzlerin habe sich im Ton vergriffen.

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Und aus Sicht der AfD habe die Kanzlerin ein unterentwickeltes Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit an den Tag gelegt. Mit der Kritik an der Kanzlerin hat die AfD ein bewährtes Feindbild wiederbelebt, das sich wohl auch durch die Diskussionen der nächsten Tage ziehen wird.