Verreisen scheint gerade ganz schön weit weg. Aber 2021 werden wir vermutlich wieder mehr unterwegs sein können. Dafür bringt der Lonely Planet jetzt seinen "Best In Travel" raus: Diesmal geht es auch um Nachhaltigkeit und Vielfalt. Doch eine Grundsatzfrage klammert der Reiseführer aus: Wie kommen wir an unser Reiseziel?

Im Herbst bringt der Lonely Planet immer seine besten Reiseziele für das kommende Jahr heraus. Auch dieses Jahr gibt es das "Best In Travel".

Auf die Coronakrise reagiert die Redaktion inhaltlich. Es geht nicht nur um ein Ranking der besten Reiseziele, sondern auch um Menschen sowie um die Themen Vielfalt und Nachhaltigkeit.

"Best In Travel" gibt es auch für 2021

Zum Beispiel wird Göteborg für einen Städtetrip empfohlen, so unsere Reporterin Anke van de Weyer. Dort haben sehr viele Hostels und Hotels Nachhaltigkeitszertifikate. Auch setzt der Nahverkehr in der Stadt besonders auf erneuerbare Energien.

Und in Berlin wird etwa Hesham Moadamani vorgestellt: Er kam vor vier Jahren aus Syrien nach Berlin und bietet Stadttouren an, in denen er auch seine Geschichte erzählt. Hesham Moadamani gilt als "Bester Geschichtenerzähler" im Reisebuch.

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Beim Thema Vielfalt wird ein deutsch-niederländisches Paar vorgestellt, das Reiseziele auf LGBTQI-Tauglichkeit testet. Zum Beispiel, wie offen ein Paar seine gleichgeschlechtliche Beziehung im Alltag zeigen und leben kann. "Dann wird unter 'Vielfalt' aber auch ganz diffus die Gastfreundlichkeit in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, empfohlen", sagt Anke van de Weyer.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist sie bei manchen Tipps skeptisch. Nicht immer werde klar, warum etwas nachhaltig sein soll, so Anke van de Weyer. Griechenland zum Beispiel wird als "nachhaltiges Feinschmecker-Reiseziel" beworben. "Und dann wird genau ein Zero-Waste-Restaurant empfohlen", sagt unsere Reporterin.

"Ich habe mich bei manchen Tipps gefragt: Was genau ist daran nachhaltig?"
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Frage ist auch, was der Hinweis "nachhaltig" bringt, wenn die Gefahr besteht, dass solche Orte bald überrannt werden, weil dann alle hin wollen. Island oder auch Barcelona haben erlebt, dass zu viele Touristen kamen. Im Corona-Sommer 2020 ging es auch dem Eibsee in Bayern so, der teils komplett überfüllt war.

Wie man nachhaltig an- und abreist, wird wieder ausgeklammert

Dennoch ist es grundsätzlich gut, wenn ein bekannter Reiseführer reflektiert, welche Auswirkungen das eigene Angebot hat, so Anke van de Weyer. Aber ein ganz wichtiger Punkt werde wieder ausgeklammert: Und das ist die Frage nach der An- und Abreise.

"Man kann sich schon fragen, was es bringt, nach Göteborg zu reisen, um klimaneutral Nahverkehr zu fahren, wenn man freitags hin- und sonntags zurück mit dem Flugzeug hinbrettert."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Beides sind wichtige Faktoren, wenn es um Reisen und Nachhaltigkeit geht. Das ist nicht neu, aber der Lonely Planet geht erneut nicht darauf ein. Zum Beispiel wird nicht erwähnt, dass Bahnfahren innerhalb von Europa gut möglich ist und im Vergleich zum Fliegen CO2 einspart. Auch, wenn Bahnfahren teurer ist. "Die Wahl des Verkehrsmittels kann viel ausmachen", sagt Anke van de Weyer.