Das will niemand sein: Der Mensch, der ein Loch stopft, weil die eigentlich begehrte Person gerade nicht kann. Viele von uns kennen das: In Freundschaften oder in der Liebe einspringen, wenn die Nummer eins nicht zur Stelle ist. Doch was ist eigentlich so schlimm daran Lückenbüßer zu sein?

Er schreibt ihr nachts und immer dann, wenn er gerade sonst niemanden findet. Karim und Lydia hatten einmal Sex. Für Lydia war das Thema nach einer Nacht abgehakt. Karim denkt jedoch immer wieder an Lydia - und zwar genau dann, wenn er Lust auf Sex hat und die Mädels, die vor und nach Lydia im Adressbuch stehen, nicht können.

Zeit für den Booty Call

"Booty Call" heißt das, erklärt die Journalistin und Autorin Clara Ott von imgegenteil.de. Ein One-Night-Stand ruft dann an oder schreibt, wenn sonst niemand zur Stelle ist, um die körperlichen Bedürfnisse zu stillen. Auch Clara lässt sich regelmäßig darauf ein, Lückenbüßerin zu sein.

"Lücke ist ja ein Loch. Und irgendwie ein Mangel. Deswegen finde ich, ist Lückenbüßer eigentlich eher ein Kompliment. Wenn ich eine Lücke schließe bei jemandem."
Clara Ott spielt selber oft Lückenbüßerin.

Auch in Freundschaften gibt es Lückenbüßer. Da tut es aber mehr weh, findet Clara Ott. Für sie ist es beängstigend, als Freundin austauschbar zu sein.

"Das ist tatsächlich was, was mich traurig macht, der Gedanke. Diese Austauschbarkeit will man nie. Die will man im Job nicht, und man will auch bei Freundschaften nicht austauschbar sein. Das Gefühl sollte man einfach nie jemandem geben."
Clara Ott will als Freundin nicht austauschbar sein.

Martin Luther, der das Wort Lückenbüßer ursprünglich erfand, hatte eigentlich gar nicht im Sinn, ein fieses Synonym für Reserve oder Notlösung zu finden. Als er vor knapp 500 Jahren die Bibel ins Deutsche übersetzte, schrieb er im Buch Nehemia im alten Testament von Menschen, die in Jerusalem Lücken in der Klagemauer schlossen - also von Lückenbüßern. Gemeint war damit aber nur, dass diese Lücken gefüllt, also ausgebessert oder zugemacht wurden.

Es muss also nicht unbedingt von Nachteil sein, der Lückenbüßer und damit die zweite oder sogar dritte Wahl zu sein.