Präsident Maduro ist weg – von den USA gefangen genommen und nach New York gebracht. Fidias kommt aus Venezuela. Für ihn bedeutet diese Nachricht erst mal pure Freude. Trotzdem macht er sich auch Sorgen, wie es mit seinem Land weitergeht.
"Absolute Resolve", also absolute Entschlossenheit – so nennt US-Präsident Donald Trump seine "extraordinäre Militäroperation" in Venezuela. Viele Expertinnen und Experten sprechen allerdings von einem Bruch des Völkerrechts.
USA begründen Gefangennahme Maduros mit internationalem Haftbefehl
Bei dem Einsatz in der Nacht von Freitag auf Samstag (3./4. Januar 2026) sind Dutzende Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen im Einsatz. Sie greifen wichtige militärische Ziele an, schalten die venezolanische Flugabwehr aus.
Dann dringen US-Elitesoldaten in die Residenz von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores ein und nehmen beide gefangen. Die Operation soll monatelang vorbereitet worden sein – mit amerikanischen Spionen in der Hauptstadt Caracas. Maduro und seine Ehefrau werden nach New York gebracht. Die US-Regierung wirft ihnen Verschwörung zum Drogenterrorismus vor und stellt sie vor Gericht.
Maduro-Gegner feiern
Dass Maduro nun abgesetzt wurde, beschreibt Fidias als "nachträgliches Weihnachtsgeschenk". Er stammt aus Venezuela und lebt und arbeitet seit Jahren in Berlin. Zum Zeitpunkt der Militäroperation ist er bei seiner Familie in Florida zu Besuch.
Wegen des Jetlags kann er nachts nicht schlafen und greift zu seinem Handy. Beim Scrollen sieht er die Nachricht: Caracas wird bombardiert und Maduro wird nach New York gebracht. Von da an ist für Fidias an Schlaf nicht mehr zu denken. Er und seine Familie sind außer sich vor Freude: "Wir haben den ganzen nächsten Tag lang nur gefeiert."
"Das ist, glaube ich, die eine Nachricht, auf die man als Venezuelaner jahrzehntelang gewartet hat."
Fidias erklärt sich die überwältigende Freude damit, dass viele Venezolaner*innen längst aufgegeben haben. "Wir haben seit 27 Jahren versucht, mit juristischen, politischen und rechtlichen Mitteln unsere Demokratie und unsere Freiheit zu retten. Das hat nicht funktioniert." Viele Menschen – so auch er selbst – seien ausgewandert, um der Perspektivlosigkeit zu entkommen.
Tobias Lambert kann die Freude, die Fidias beschreibt, aus persönlicher Perspektive nachvollziehen. Er ist Journalist und hat ein Buch über die politische Entwicklung Venezuelas geschrieben. "Es gibt genug Gründe, gegen Maduro zu sein – überhaupt keine Frage."
Spätestens seit der Wahl im Juni 2024 sei er nicht mehr demokratisch legitimiert gewesen. "Doch die Art und Weise, wie Maduro entmachtet wurde, darf man nicht außer Acht lassen", fügt der Autor hinzu.
Trumps Drohung: Öl oder Angriff
Vor allem, betont Lambert, kann man nicht davon ausgehen, dass die Absetzung Maduros automatisch zu einem demokratischen Venezuela führt – zumal Trump die Opposition um Cristina bereits fallengelassen habe. Stattdessen setze er auf die bestehende Regierung, nur eben ohne Maduro. Denn diese bleibt derzeit unter der Vizepräsidentin im Amt.
Sollte die Regierung nicht kooperieren, hat Trump mit einer weiteren Angriffswelle gedroht. Sein Ziel sei einerseits, den Zugang zur Erdölindustrie mit US-Investitionen wieder aufzubauen. Übergeordnet gehe es den USA aber um etwas anderes, sagt Tobias Lambert.
"Trump erwartet, dass die Regierung kooperiert und ihm das Land auf dem Silbertablett serviert. Im Prinzip soll Venezuela zu einem US-Protektorat werden."
Er beruft sich dabei auf die nationale Sicherheitsstrategie der USA vom Dezember 2025: "Trumps Regierung benennt ihr politisches Ziel ganz klar: Die Dominanz der USA in Lateinamerika soll wiederhergestellt werden." Dazu gehöre unter anderem auch ein Regierungswechsel in Kuba.
Doch wie könnte es nun mit Venezuela weitergehen? Fidias hofft auf einen friedlichen Übergang, auf Demokratie und darauf, dass er und viele der rund acht Millionen Exil-Venezolaner*innen eines Tages in ihre Heimat zurückkehren können.
Zwei Szenarien für eine Zukunft Venezuelas unter Trumps Einfluss
Auch Tobias Lambert wünscht sich das für Venezuela, hält dieses Szenario jedoch für sehr unwahrscheinlich. Er sieht mehrere mögliche Entwicklungen: So könnte die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als eine Art "Statthalterin" fungieren.
Das wiederum könnte zu Rissen im Regierungsapparat und zu Protesten in der Bevölkerung führen, glaubt Tobias Lambert: "Denn das, was Rodríguez, beziehungsweise die aktuelle Regierung, an Rückhalt in der Bevölkerung hat, würde dadurch verloren gehen."
Eine andere Möglichkeit sei, dass Delcy Rodríguez nicht mit Trump kooperiert. Sollte der seine Drohungen wahrmachen, könnte das zu weiteren Auseinandersetzungen und einzelnen kriegerischen Zusammenstößen führen.
Für die Menschen im Land bedeuten beide Szenarien vor allem eines: wachsende Unsicherheit und kaum Aussicht darauf, dass sich ihre ohnehin schwierigen Lebensumstände verbessern. Über 80 Prozent der Bevölkerung leben derzeit unter der Armutsgrenze.
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