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Warum stößt Kosmetik, und gerade das Schminken, bei manchen Männern auf so viel Ablehnung? Fabian Hart trägt genauso gerne Lidschatten wie Lederjacke und hat eine Antwort auf diese Frage.

Eine Seife für alles, maximal After-Shave ins Gesicht und vielleicht noch eine Creme – so oder so ähnlich sieht das Klischee der männlichen Beauty-Routine aus. Bei Fabian Hart ist das anders, er beschäftigt sich gerne mit Pflegeprodukten und greift auch zu Make-up, wenn er Lust darauf hat.

"Ich hatte immer schon die Affinität für die schönen Dinge – da zählt natürlich auch die Pflege dazu."
Fabian Hart, Journalist

Für Fabian bedeutet die Zeit vorm Spiegel nicht nur, sich für andere schick zu machen, sondern auch, sich selbst eine gute Zeit zu bereiten. Der Journalist und Podcaster schreibt über Beauty und Mode für Männer. Außerdem machte er den Podcast "Zart bleiben" über alternative Männlichkeiten und neue Ideale.

Zeit vorm Spiegel als Training für Soft Skills

Die Pflege-Routinen vorm Spiegel seien wie eine Art Hantel zum Trainieren der Soft Skills, sagt Fabian: "Als Typ, als Mann, sich selbst sanft zu berühren, ist ja eigentlich etwas komplett Untypisches." So finde Mann heraus, was sich gut anfühlt und gut tut.

"Es geht ja nicht nur um Kosmetik, oder um dekorative Kosmetik, sondern einfach auch um eine Form von Selbstfürsorge."
Fabian Hart, Journalist
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Was als weiblich empfunden wird, wird abgelehnt

Auf Fabians Instagram-Account sieht man ihn mit Make-up und Lippenstift. Dafür erhält er viel Zuspruch – aber auch Ablehnung. Die ablehnende Haltung bei Männern führt Fabian auf gesellschaftliche Normen zurück: Schminke gelte als weiblich und werde in einem traditionellen Verständnis von Männlichkeit abgelehnt.

"Kein Make-up der Welt ändert etwas an deiner Geschlechtsidentität."
Fabian Hart, Journalist

"Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass es als lächerlich angesehen wird. Als würde man sich als Mann degradieren aufs schwache Geschlecht. Vom starken Geschlecht aufs schwache Geschlecht mit ein bisschen Farbe im Gesicht", so Fabian. Im Kern findet Fabian dieses Verhalten frauenfeindlich, selbst wenn man sich darüber gerade nicht bewusst ist.

Aufbrechen der tradierten Vorstellungen von "Männlichkeit"

Aber auch manche Frauen haben ein Problem mit sich schminkenden Männern. Barbara Schöneberger sagte 2019 zum Beispiel einmal in diesem Zusammenhang, dass "Männer irgendwie auch Männer bleiben sollen". Frauen werde genauso wie Männern antrainiert, bestimmten Rollenbildern zu entsprechen, sagt Fabian.

Auch Fabian ist mit diesen Vorstellungen groß geworden. Er hat aber für sich gelernt, dass er ihnen nicht entspricht und entsprechen will – als queere Person war das eine Auseinandersetzung mit Normen und Werten von Männlichkeit, die er auf einer existenziellen Ebene führen musste. Fabian hofft, dass sich mehr Männer ans Experimentieren mit Schminke trauen, wenn sie Interesse daran haben – damit unser Bild von Männlichkeit weiter aufgebrochen wird.