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Keira Knightley hat genug vom Male gaze. Die Intimitätskoordinatorin Julia Effertz erklärt, wie Schauspielerinnen und Schauspieler bei Sexszenen ihre Autonomie wahren können.

Keira Knightley will keine Sexszenen mehr drehen, zumindest dann nicht, wenn Männer hinter der Kamera stehen. Auf die Frage: "You have added a no-nudity-clause in your contract since becoming a mother. Is that a decision that comes out of …?, antwortete Keira Knightley in einer Folge des Podcasts Chanel Connects erst ironisch und dann ernsthaft: "It’s partly vanity and partly also. It’s the male gaze."

Male g
aze bedeutet, dass Frauen aus einer männlichen heterosexuellen Perspektive als sexuelle Objekte präsentiert werden. Dabei geht es vor allem um die visuelle Inszenierung weiblicher Körper in Filmen und Bildern. Ursprünglich kommt der Ausdruck aus der Filmwissenschaft. Inzwischen wird er überwiegend in der feministischen Theorie verwendet.

Male gaze als weltweites Thema

Bei Nacktszenen ist diese einseitige Perspektive auf Frauen und ihren Körper besonders präsent. Julia Effertz sagt: "Keira Knightley spricht natürlich eine große Problematik an, die in der Umsetzung von Nacktszenen immer wieder Thema ist." Julia Effertz arbeitet als Intimitätskoordinatorin und als Schauspielerin. Sie vergleicht ihre Arbeit mit der Stuntkoordination und kann Keira Knightleys Gedanken gut nachvollziehen.

"Der Male gaze, die Objektifizierung des weiblichen Körpers durch die Filmkamera, das ist eigentlich in allen Filmkulturen weltweit immer Thema."

Julia Effertz betont, dass Nacktszenen immer mit einer erhöhten Verletzlichkeit für die Schauspielerinnen und Schauspieler verbunden sind. Grundsätzlich müssten Schauspielerinnen und Schauspieler die absolute Autonomie über ihren Körper haben. Sie müssten klar ihre Grenzen benennen, die Jas, die Neins. Dann seien sie nicht so ausgeliefert.

Weniger Menschen, weniger Probleme

Dabei könne eine deutlich verringerte Zahl von Anwesenden während des Drehs einer Nacktszene helfen. Das sollte der Standard sein, findet die Intimitätskoordinatorin.

"Das geschlossene Set muss Standard sein, dass da wirklich nicht 50 Leute rumstehen, sondern dass es wirklich das geschlossene Set ist."

Auch der Intimbereich der Spielenden solle grundsätzlich abgedeckt sein. Sie sagt: "Wir arbeiten zum Beispiel mit Genitalbedeckungen." Die wichtigsten Arbeitsschritte bei der Begleitung eines Drehs sind für sie:

  • klare Kommunikation im Vorfeld des Drehs
  • Storytelling der Szene klären
  • Choreografie der Szenen planen
  • Choreografie der Szenen proben

Am Ende des Arbeitsprozesses steht dann das tatsächliche Choreografieren der Sex- beziehungsweise der Nacktszene. Es müsse realistisch aussehen. Eine gute Sexszene müsse glaubhaft sein. Die Zuschauenden hätten sonst am Ende nichts davon, ist Julia Effertz überzeugt.

"Proben ist das Herzstück meiner Arbeit, das ist eine choreografische Arbeit. Denn Sexszenen, Nacktszene sind zu choreografieren wie eine Kampfszene."