Eine bekannte Journalistin wird in Malta durch eine Autobombe ermordet. Die Hintergründe zum Mord sind zwei Jahre später weiterhin unklar. Die aktuellen Ermittlungen der Behörden betrachtet das Umfeld der Journalistin mit Skepsis.

Daphne Caruana Galizia war eine der bekanntesten Investigativ-Journalistinnen und -Bloggerinnen in Malta. Vor zwei Jahren ist sie durch eine Autobombe ums Leben gekommen. Bis heute gibt es kaum Ermittlungsfortschritte.

Klar ist: Drei Männer wurden mit dem Mord an der Journalistin beauftragt. Wer die Auftraggeber sind, haben die maltesischen Behörden nicht herausgefunden. Weltweit werden Morde an Journalisten zu 85 Prozent nicht aufgeklärt. Ein möglicher Grund: Auftragsmorde werden umsichtig geplant, um Personen gezielt zu töten. Für Ermittler ist es daher schwierig die Hintergründe zu untersuchen.

Die EU übt Druck auf Malta aus

Auf Druck des Europarats gibt es daher seit September 2019 eine dreiköpfige Untersuchungskommission in Malta. Ziel der Kommission ist es, den Fall auf politischer Ebene zu untersuchen. Sie soll herausfinden, warum es zum Mord kam und welche Strukturen dazu geführt haben könnten. In den kommenden Monaten soll die Kommission dazu einen Bericht vorlegen.

Theorien rund um die Ermittlungen gibt es viele: Die Schwester der Journalistin vermutet zum Beispiel einflussreiche Geschäftsleute und Politiker als Auftraggeber des Mordes. Ihre Theorie: Mit dem Tod von Daphne Caruana Galizia, endet auch die Recherche der Journalistin über sie.

"Die Regierung und die Verantwortlichen auf Malta gehen die Aufklärung, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich halbherzig an."
Jörg Seisselberg, Korrespondent für die Region Malta

Aus ähnlichen Gründen erhebt die Familie der Journalistin auch Einwände gegen die Mitglieder der einberufenen Untersuchungskommission. Sie hinterfragen die Haltung der Kommissionsmitglieder hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit und Unparteilichkeit: Einer von ihnen hat beispielsweise in der Vergangenheit Geschäftsleute vertreten, die Daphne Caruana Galizia in ihren Artikeln kritisierte.

Malteser sind nach Tod von Daphne Caruana Galizia meinungsstärker

Jörg Seisselberg, Korrespondet für die Region Malta, deutet die Vorbehalte der Familie der Journalistin daher als Zeichen, dass die maltesischen Verantwortlichen den Mordfall nicht ausreichend aufklären.

Daphne Caruana Galizia war für viele Menschen in Malta ein Vorbild, sagt Jörg Seisselberg: Durch ihre Arbeit trauen sich die Menschen auf Malta mehr, ihre Position klarzumachen. Auch die Familienmitglieder der Journalistin erleben einen Zuwachs an Zivilcourage.