Dr. Johannes Wimmer hätte ein Problem, wenn er mit seinem Abi-Schnitt heute Medizin studieren wollte. Er fordert: Der Numerus clausus muss weg, denn: "Die schöne Note allein ist null aussagekräftig."

Der Numerus clausus (NC) für Medizin wird derzeit vom Bundesverfassungsgericht überprüft. Zwei abgewiesene Studienplatzbewerber klagen, weil nur die Abiturnote als Auswahlkriterium und nicht auch der Medizinertest und die Berufserfahrung als Rettungssanitäter herangezogen wurde. 

Dr. Johannes Wimmer regt sich auf:

Vielen seiner damaligen Kommilitonen, von denen die meisten einen Einser-Schnitt im Abitur haben, spricht der Notfallmediziner Dr. Johannes Wimmer die menschliche Eignung ab. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Abiturienten mit einem mittleren Abiturschnitt sich viel besser für ein Medizinstudium eignen. 

"Ich hatte 1,8 und bin mich Ach und Krach nach Marburg gekommen."

Selbst Dr. Johannes Wimmer hat im Studium festgestellt, dass er mit einem Bio-Grundkurs nicht gut auf das Studium vorbereitet war. Hinter der Idee des NC steckt mit die Annahme: Wer in der Schule leicht gute Note erreicht hat, der kommt auch mit dem großen Arbeitspensum im Medizinstudium zurecht.

Der Menschlichkeitstest fehlt

Dr. Johannes Wimmer stellt aber auch klar: Nur 20 Prozent der Medizinstudenten werden allein über den NC ausgewählt, weitere 20 Prozent bekommen über die Wartezeit einen Studienplatz und weitere 60 Prozent durch die uniinternen Auswahlverfahren. Allerdings ist das Ergebnis des Tests ein zusätzliches Auswahlkriterium zum NC, der auch inhaltlich gewertet wird. Wer mit Englisch und Kunst Leistungskurs Abitur gemacht hat wie Dr. Johannes Wimmer, wird niedriger eingestuft, als jemand mit Bio und Chemie LK.

"Es gibt gar keinen allgemeingültigen Medizinertest, der bei allen Unis angewendet wird."
Dr. Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Zum Vergleich kennt Dr. Johannes Wimmer auch den Test für die Zulassung zum Arzt in den USA. Dieser Test prüfe rein die menschliche Eignung als Arzt. In diesem Test muss der angehende Arzt 12 Patienten in jeweils 20 Minuten begrüßen, mit ihnen das Problem besprechen, untersuchen, die Behandlungsschritte mit dem Patienten klären und alles dokumentieren. Wer mehrfach bei den Patientengesprächen patzt, weil er sie zum Beispiel nicht anschaut, während er mit ihnen spricht, fällt durch. "Da sind wir noch in der Steinzeit im Vergleich zu den Amerikanern", sagt Dr. Johannes Wimmer.