Bundeskanzlerin Merkel hat heute den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Beste Freunde sind sie nicht, aber immerhin gab es einen Handschlag. Bei dem Treffen geht es unter anderem um den Krieg in Syrien und in der Ukraine.

Wir haben mit Vassili Golod gesprochen. Er ist Journalist in Köln, ist in der Ukraine geboren, sein Vater stammt von dort. Ein Onkel wohnt auf der Krim. Seine Mutter hingegen ist Russin und die Großeltern leben am Ural.

"Ein großes Familienfest gab es lange nicht mehr. Und wenn, dann würde bestimmt nicht über Politik gesprochen, denn sonst würde es ausarten."
Vassili Golod, Journalist, seine Familie stammt teils aus Russland und teils aus der Ukraine

Wenn Vassili seine Großeltern besucht, dann ist er derjenige, der das Politikthema doch irgendwann anspricht, weil es ihm zu wichtig ist. "Es ist ein Thema, das mich betrifft, das alle in der Familie betrifft", sagt Vassili, "auch wenn es emotional wird und immer ein bisschen wehtut."

Seine Großeltern schauen ausschließlich das russische Staatsfernsehen, es ist ihre einzige Quelle. Also muss Vassili sie erst mal auf einen Stand bringen. Er erkläre seinen Großeltern dann, dass bestimmte Dinge, die dort behauptet würden, "nicht dem Informationsstand entsprechen", sagt er.

Merkel ist bei vielen Russen beliebt

Die Großeltern finden, dass das Treffen zwischen Merkel und Putin wichtig ist. Ihrer Meinung nach müsse Angela Merkel sich darum kümmern, dass das Minsker Abkommen umgesetzt werde. Aus der Sicht der Großeltern tue Russland alles dafür, den Konflikt zu schlichten.

Natürlich ist es nicht so einfach, wenn Vassili mit seinen Großeltern über die russische Politik in der Ukraine redet. Er selber sagt: "Stell Dir mal vor, einmal im Jahr kommt jemand, der sagt, alles, was Du das ganze Jahr über konsumiert und erfahren hast, ist falsch. 180 Grad das Gegenteil ist wahr. Natürlich ist das schwer für die."

"Der gemeinsame Nenner ist, dass es Frieden geben muss."
Vassili Golod, Journalist, seine Familie stammt teils aus Russland und teils aus der Ukraine

In einem Punkt sind sich alle einig: Es muss endlich Frieden geben. Außerdem halten die Großeltern viel von Deutschland. Es wird als Partner von Russland angesehen. Außerdem ist Angela Merkel bei den Großeltern wie auch bei einem großen Teil der russischen Bevölkerung ziemlich beliebt. 

Vermittler zwischen den Fronten

Kurz vor dem Gespräch bei Deutschlandfunk Nova hatte Vassili Golod noch mit seiner Oma telefoniert und sie zu dem Treffen zwischen Putin und Merkel befragt. Sie hat gesagt: "Mensch, dass war doch wieder gut, wie die sich begrüßt haben." 

Vassili sagt über seine eigene Einstellung: "Ich versuche in der ganzen Sache eine Haltung einzunehmen, dass am Ende dabei Frieden herauskommt. Und das geht halt nicht, wenn die Ukraine sagt: Russland ist Scheiße. Und Russland sagt: Die Ukraine ist Scheiße. Und Deutschland steht halt in der Mitte." Deswegen fühlt er sich der deutschen Position am nächsten. 

Das Treffen in Sotschi

Bei einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Staatschef Wladimir Putin wurden heute (02.05.) die schwierigen Themen wie der Krieg in der Ukraine, in Syrien und Menschenrechte in Russland angesprochen.

Thielko Grieß, Russlandkorrespondent
"Ich hatte den Eindruck bei der Pressekonferenz, dass das keine besonders zugewandte Stimmung war."

Beide zeigten bei ihrem Gespräch in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi aber auch den Willen zur Kooperation. Putin sagte Merkel zu, die deutsche G20-Präsidentschaft und den Gipfel in zwei Monaten in Hamburg zu unterstützen. 

Das Fazit von Russlandkorrespondent Thielko Grieß: "Die Frage ist: Warum lädt Putin Merkel überhaupt ein - in seine Ferienresidenz? Ich glaube, die Antwort lautet: Die Russen haben tatsächlich ein Interesse, zu erfahren, was in Deutschland gedacht wird, was in Merkels Kopf vorgeht." Und das sei keine schlechte Voraussetzung, sich irgendwann einmal näher zu kommen.