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Am 9. Mai feiert Russland jedes Jahr den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland 1945. Dafür finden traditionell im ganzen Land große Militärparaden statt – doch dieses Jahr fielen sie kleiner oder sogar ganz aus, so unser Korrespondent.

Panzer, Raketen, marschierende Soldaten und Soldatinnen: So begeht Russland traditionell den 9. Mai und den "Tag des Sieges". Zwar hielt Putin auch dieses Jahr eine Rede auf dem Roten Platz in Moskau und präsentierte seine Armee – doch die Parade fiel kleiner aus als gewöhnlich. "Ziemlich mager" habe sie gewirkt, meint unser Korrespondent Florian Kellermann. Zwar seien nominell 10.000 Soldat*innen und 125 Einheiten aufmarschiert. Doch viele Panzer seien alt gewesen, stammten teilweise noch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und man habe andere Fahrzeuge genutzt, um die Militärkolonne künstlich zu vergrößern. "Es war nicht diese große Waffenshow, die man sonst erlebt hat", so Florian Kellermann.

Putins wiederholt seine Wahrheit wie ein Mantra

In seiner Rede zum "Tag des Sieges" beteuerte Putin wie bereits 2022, dass Russland nicht schuld am Krieg in der Ukraine sei: Vielmehr habe der Westen Russland zu Fall bringen wollen, weshalb es notwendig gewesen sei, den Krieg zu beginnen. Weiter hieß es, dass der Krieg eine Katastrophe für die Ukraine sei. "Zynisch" sei das, sagt unser Korrespondent, gerade ansichtlich des Leids, das Russland über die ukrainische Bevölkerung bringt.

"Putin wiederholt die Unschuld Russlands wie ein Mantra. Damit will er auch suggerieren: Es läuft alles nach Plan."
Florian Kellermann, Russland-Korrespondent

Putin lobte in seiner Rede außerdem die tapfere Armee – erwähnte allerdings nicht die gefallenen Soldaten. Das passt in sein Narrativ, meint Russland-Korrespondent Florian Kellermann. Dieses Narrativ wiederholt er stetig und suggeriert damit nicht nur, dass alles nach Plan verlaufe, sondern das deute ebenfalls darauf hin, dass sich sobald nichts an der Situation ändern werde.

"In Umfragen ist die Zustimmungsrate für Putin weiterhin hoch, doch es schimmert auch immer wieder Skepsis durch."
Florian Kellermann, Russland-Korrespondent

Enthusiasmus sei innerhalb der russischen Bevölkerung nicht zu spüren, berichtet unser Korrespondent. Zwar sei die Zustimmung für Putin weiterhin hoch, doch es zeige sich auch hier und da immer wieder Skepsis, ob der Krieg wirklich nötig sei. Offene Kriegsbefürworter sieht unser Korrespondent nur selten. Er hat den Eindruck, dass die Bevölkerung den Krieg nicht aktiv unterstützt.

Nächtlicher Angriff auf die Ukraine

Der 9. Mai 2023 begann indes für viele Ukrainer*innen in Schutzbunkern oder in U-Bahn-Schächten. Denn Russland hat in der Nacht 25 Marschflugkörper über der Ukraine abgeworfen, 15 allein auf die Hauptstadt Kiew. Dort sei heutzutage niemandem mehr nach Feiern zumute, so unser Korrespondent. Auch wenn der Tag bis vor Beginn des Kriegs in der Ukraine ebenfalls gefeiert worden war. Präsident Selenskyj hat den 9. Mai nun "Europatag" erklärt.

Oben im Bild: Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu salutiert bei der Parade am 9. Mai 2023 auf dem Roten Platz im Moskau.

Shownotes
Militärparaden in Russland
"Nicht die große Waffenshow" zum "Tag des Sieges"
vom 09. Mai 2023
Moderatorin: 
Ilka Knigge
Gesprächspartner: 
Florian Kellermann, Deutschlandfunk-Korrespondent für Russland