Cum-Ex und Cum-Cum sind komplizierte Steuergeschäfte, mit denen Aktienbesitzer und -händler europaweit den Staat um Steuergelder betrügen. Europäische Medien, darunter die ARD, haben jetzt recherchiert: Es geht um mindestens 55 Milliarden Euro.

Beim Dividendenstripping werden teure Aktienpakete in hoher Geschwindigkeit hin- und hergehandelt. Eine undurchsichtige Angelegenheit, durch die die Steuerbehörden geschädigt werden. 

"Vereinfacht gesagt: Riesige, milliardenschwere Aktienpakate werden ganz schnell hin- und hergehandelt."
Jennifer Lange, für NDR Info an den Recherchen beteiligt

Das ganze passiert zeitlich um den Dividendenstichtag herum, an dem die Dividende, der Gewinnanteil der Aktionäre, ausgeschüttet wird. In dieser Zeit kann besonders viel "Geld gemacht" werden, erklärt Jennifer Lange, die für NDR Info an der Recherche beteiligt war. Denn die Steuerbetrüger holen sich die – nur einmal abgeführte – Kapitalertragssteuer auf die Dividende vom Staat mehrfach zurück. Bis zu 50 Mal.

Finanzministerium wusste früh von Cum-Ex

Der Skandal hat gigantische Ausmaße. Neben Deutschland sind mindestens zehn weitere europäische Länder betroffen, darunter Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und Dänemark. 

Der deutsche Staat versucht zwar, etwas gegen die Machenschaften zu unternehmen – etwa mit Gesetzesänderungen. Die Steuerbetrüger sind aber dermaßen geschickt, erklärt Jennifer Lange, dass sie ihr System stetig weiterentwickeln und immer wieder eine neue Lücke finden, um den Staat hinters Licht zu führen.

"Unsere Recherchen zeigen: Das Bundesfinanzministerium wusste schon 2002 von den Steuergeschäften."
Jennifer Lange, für NDR Info an den Recherchen beteiligt

Das Problem habe in Europa so groß werden können, weil Deutschland seine Partner nicht gewarnt hat, sagt Jennifer Lange. Das Bundesfinanzministerium wusste nämlich schon 2002 vom Cum-Ex-Skandal, hat seine europäischen Nachbarn allerdings erst 2015 informiert.

Ein anonymer Kronzeuge

Unsere Kollegin Jennifer Lange hat die Zusammenhänge für NDR Info recherchiert, gemeinsam mit Panorama, Zeit, Correctiv und vielen weiteren Journalisten aus zwölf Ländern. Eine wichtige Informationsquelle war ein Banker, ein Insider, der jetzt als (anonymer) Kronzeuge auftritt. Er sagte: "Für mich war der Staat der Feind. Bei uns hatte Moral keinen Platz."

Auf der Website www.cumexfiles.com werden alle Ergebnisse der Recherchen zusammengeführt.

Mehr Infos gibt es am Mittwoch (18.10.2018) um 21.45 Uhr in der Sendung Panorama im Ersten. (Die Sendung ist anschließend in der Mediathek.)