Die typische Berliner Fahrradsituation: Der Radweg ist direkt neben dem Gehweg, relativ schmal, nicht gut gekennzeichnet und dann hört er plötzlich auf. Wenn die Fahrradsaison in der Stadt beginnt, werden die Mängel deutlich. 

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Dörte Fiedler hat sich angesehen, wo es für Berliner Radler unübersichtlich und auch gefährlich werden kann. Anders als das Fahrradparadies Kopenhagen ist Berlin eben eine Stadt für Autofahrer. 

"Da bleibt nur eins: Eingequetscht zwischen den parkenden Autos und dem zweispurigen, nicht besonders rücksichtsvollen Verkehr, weiterzuradeln."
Dörte Fiedler, Deutschlandfunk Nova

In der dänischen Hauptstadt ist schon länger klar, "dass das Modell der autogerechten Stadt nicht das Richtige ist", sagt Tim Lehmann.  Er ist Stadtplaner und Mobilitätsforscher. Kopenhagen setzte schon seit den siebziger Jahren konsequent aufs Fahrrad, besonders im Innenstadtbereich, erklärt er.

"Bei Fahrradstädten wie Kopenhagen oder Amsterdam ist es völlig selbstverständlich, dass Radwege im Winter auch geräumt werden - sogar vorrangig vor den Autostraßen. Das ist einfach eine Mentalitätsfrage."
Tim Lehmann, Stadtplaner und Mobilitätsforscher

Die meisten Kopenhagener steigen aufs Rad, weil es die einfachste, schnellste und angenehmste Art ist, sich in der Stadt zu bewegen - das wollen die meisten Berliner Radler sicher auch. Allerdings klemmt es an ein paar Stellen:

  1. Der Stadtplaner meint: "Viele Leute in Deutschland profitieren vom Straßenbau, dort gibt es Ängste Automobilität in Frage zu stellen."
  2. Die Autolobby hat in Dänemark viel weniger Einfluss. Außerdem spielt das Auto als Statusobjekt dort keine so große Rolle wie bei uns.
  3. Statt mit Mobilitätskonzepten war Berlin in den 90er Jahren damit beschäftigt, nach der Zweiteilung der Stadt ein einheitliches Verkehrsnetz wiederaufzubauen.
  4. In Berlin gab es lange Zeit viel Platz. Jetzt kommen immer mehr Menschen und der demografische Wandel wird spürbar: "Der Druck, den Verkehr vernünftig zu organisieren, wird dort höher, wo wenig Platz ist", weiß der Mobilitätsforscher Tim Lehmann.
"Es ist am Ende eine Frage des Willens und der Vorstellungskraft, dass sich Dinge verbessern und verändern können, ohne dass Verkehrsteilnehmer dabei verlieren."
Tim Lehmann, Stadtplaner und Mobilitätsforscher

Eine Reihe von Initiativen setzten sich in Berlin dafür ein, dass sich die Situation für Radfahrer verbessert. Wenn es nach ihnen ginge, könnte die Hauptstadt ruhig etwas mehr von Kopenhagen vertragen.