Clovis Casali ist Journalist, er berichtet über die Ereignisse in Paris und war am Freitagabend selbst in der Nähe der Anschlagsorte. Das 11. Arrondissement wird sein Viertel bleiben, sagt er. Er sagt aber auch: "Es ist ein Albtraum."

Paris trauert. Überall im 10. und 11. Arrondissement rund um die Anschlagsorte nehmen Menschen Anteil, legen Kerzen und Blumen ab. "Alles ist sehr ruhig", sagt der Journalist Clovis Casali. "Es ist eine mulmige, verunsicherte und angespannte Atmosphäre." Die Anschläge treffen Clovis Casali auch selbst. Er lebt im 11. Arrondissement, einem der Viertel, in dem die Angreifer zuschlugen. Eigentlich wollte er am Freitagabend eines der Restaurants besuchen, das später attackiert wurde. Er entschied spontan anders.

"Sie versammeln sich tagsüber und abends: Die Menschen verspüren das Bedürfnis, öffentlich zusammenzukommen, Schmerz und Trauer zu teilen."
Clovis Casali, Journalist aus Paris

Wie viele andere Pariser war Clovis Casali am Freitagabend unterwegs. Als die Nachricht von Schüssen in der Nähe ihn erreichte, versteckte er sich mit anderen Passanten in einem Restaurant: "Ich musste mich in der Küche verstecken, als die Anschläge losgingen." Die Polizei hatte den Restaurantbesitzer informiert: Handys sollten ausgeschaltet werden, das Licht gelöscht und alle sollten sich auf den Boden legen. Später erfährt er, dass einer seiner Kollegen beim Anschlag auf den Club Bataclan starb.

Wieder in seiner Nachbarschaft

Betroffen sind eigentlich alle, die dort leben. "Nichts ist gerade einfach", sagt Clovis. Jeder kennt selbst jemanden, der jemanden kennt. "Ich werde natürlich weiter hier leben“, sagt Clovis, "aber es ist furchtbar, dass es wieder passiert ist." Wieder hier in seiner Nachbarschaft: Im Januar waren beim Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion elf Menschen getötet worden. Im Moment sei sein Viertel aber vermutlich eines der sichersten - mit all der Polizei, sagt er.

"Es ist ein Albtraum, aber wir werden weitermachen."
Clovis Casali, Journalist aus Paris

Trotz Sicherheitswarnungen haben sich auch am Montag wieder viele Menschen auf dem Platz der Republik versammelt, um ihre Solidarität zu zeigen. Die internationale Anteilnahme, sagt der Journalist, sei wichtig für die Menschen in Paris: "Es gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein", sagt Clovis. Er empfindet nicht nur Angst und Wut, sondern bedankt sich auch bei allen Einsatzkräften, Ärzten und denen, die im Moment helfen, die Situation zu bewältigen. Weitermachen - und das eigene Leben nicht aufgeben, so beschreibt er seine momentane Haltung: "Wir müssen unsere Werte der Menschlichkeit verteidigen." Auch, wenn es schwierig ist, die Geschehnisse zu verarbeiten.