Mode und Nachhaltigkeit muss kein Widerspruch sein, findet Bundesumweltministerin Svenja Schulze vor Beginn der Fashion Week. Von der Modebranche hat sie gefordert, nachhaltiger zu wirtschaften. Zur Not will sie nachhelfen.

Die globale Kleidungsproduktion hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Oft werden die Sachen unter umweltschädlichen oder sozial schwierigen Bedingungen hergestellt. Eine Entwicklung, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze kritisiert. Sie fordert aber auch ein Umdenken der Konsumenten. Nur 60 Prozent der gekauften Kleidung werden regelmäßig getragen, sagt sie.

"Wenn heute in Deutschland 40 Prozent der gekauften Kleidung nie oder nur selten getragen werden, ist das aus Sicht des Umwelt- und Ressourcenschutzes schlimm."
Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Um Nachhaltigkeit in der Branche zu fördern, möchte Svenja Schulze Konsumenten dazu bewegen, mehr Wert auf qualitative und langlebige Kleidung zu legen. Vor allem will sie aber auch Anreize für die Hersteller und den Handel setzten. Notfalls sollen gesetzliche Regelungen nachhelfen.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Mit dem Bundespreis Ecodesign für nachhaltiges Design oder mit der Einführung des staatlichen Siegels Grüner Knopf wird bereits etwas getan. So gibt der Grüne Knopf als Etikett am Kleidungsstück Auskunft darüber, ob das Kleidungsstück unter menschenwürdigen Umständen und ökologisch nachhaltig produziert wurde. Insgesamt müssen 46 Sozial- und Umweltkriterien erfüllt werden. Auch Mindestlöhne und das Verbot von Kinderarbeit gehören dazu.

Wir konsumieren Mode wie Fast Food

Dass Nachhaltigkeit ein Problem in der Modebranche ist, sehen auch junge Modeschaffende so. Die Designerin Lydia Maurer sagt, wir hätten uns daran gewöhnt, Mode wie Fast Food zu konsumieren. Die Prozesse und die Menschen, die dahinterstehen, würden wir nicht mehr so wertschätzen wie früher.

"Wir sind wirklich in einer Zeit gelandet, wo wir uns daran gewöhnt haben, Mode wie Fast Food zu konsumieren."
Lydia Maurer, Designerin

Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der Modefirma Vaude, nimmt sich und andere große Unternehmen in die Pflicht. Nachhaltig wirtschaften hieße nichts anderes, als unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und über die Auswirkungen des eigenen Handelns nachzudenken. "Und wie gestalte ich die so, dass ich weder Mensch noch Natur dabei schädige", sagt sie.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Als Unternehmen müsse man aber auch schauen, wie viel teurer man werden könne als die Billigkleidung. Sonst werde es zum finanziellen Risiko, nachhaltig zu produzieren. Deshalb fordert die Unternehmerin mehr wirtschaftliche Anreize.

Reparieren statt neu kaufen

Doch auch wir Verbraucher können etwas tun - zum Beispiel auf Neukauf verzichten und Sachen reparieren lassen oder selbst Hand anlegen. Und wenn wir neu kaufen, warum sich nicht einfach mal die Zeit nehmen, um nach Siegeln wie dem Grünen Knopf zu gucken. Und wenn Sachen doppelt so lang halten wie die alten Klamotten, kann man eventuell auch etwas mehr Geld dafür ausgeben.

"Wenn wir mal einfach nichts Neues kaufen. Viele Sachen kann man günstig reparieren lassen oder selbst reparieren."
Niklas Potthoff, Deutschlandfunk Nova

Auch wenn der Umsatz mit Fairtrade-Mode in Deutschland seit 2011 um das Neunfache gestiegen ist: Fair-Trade-Läden oder Angebote sind immer noch eine klare Minderheit gegenüber Unternehmen, die Kollektion um Kollektion raushauen. Da müsse noch viel passieren, findet unser Reporter Niklas Potthoff.