Mithilfe von Sensoren und eines Bordcomputers könnten Busse benzinsparend in Kolonne fahren und bei Bedarf mehr Passagiere transportieren. Die Stadt München plant sogenanntes Bus-Platooning.

Volle Busse und Bahnen, die wenig flexibel auf die Auslastung reagieren und immer noch zu viel Benzin verbrauchen, prägen unseren Öffentlichen Personennahverkehr. Die Stadt München will ab dem nächsten Jahr ein Pionierprojekt starten.

Zwischen Bussen des Münchener ÖPNV soll durch ein System von Sensoren, Radar und einem Bordcomputer ein Informationsfluss etabliert werden, der es ermöglicht, dass ein fahrerloser Bus einem anderen geführten Bus automatisch folgt. Dieses Konzept nennt sich Bus-Platooning.

Weil Sicherheit an erster Stelle steht, sollen elektronische Warnhinweise zwischen den Bussen aufleuchten, damit niemand zwischen die Fahrzeuge gerät. Zudem kann der Fahrer des vorderen Busses die Verkehrssituation einschätzen und dementsprechend eingreifen.

"Der große Vorteil für uns ist die Flexibilität, das heißt, wenn die Linie anfängt, kann ich sagen, ich fahre nur mit dem Führungsfahrzeug, in der Hauptverkehrszeit nehme ich dann das Folgefahrzeug mit auf."
Alexander Wolf, Projektleiter bei den Stadtwerken

Bevor das Projekt startet, müssen Zulassung und Gesetzgebung der neuen Technik angepasst werden. Fast 500 Busse sind im Osten Münchens stationiert. Das Platooning-System würde auch die Unterbringung der Fahrzeuge vereinfachen, weil sich die Logistik komplett ändern würde.

Zudem sei die neue Technik ressourcenschonender, sagt der Projektleiter Alexander Wolf von den Münchener Stadtwerken. Wenn der Bedarf an Fahrzeugen innerhalb eines Tages sinkt, können diese abgestellt und dann nur noch Fahrzeuge genutzt werden, die sonst die Führung übernehmen.

Zunächst höhere Kosten

Die neuen Busmodelle sind doppelt so teuer wie die alten. Ein Fahrzeug kostet rund eine halbe Million. Die Ausstattung mit Bordcomputer und Sensoren beläuft sich auf weitere 100.000 Euro. Insgesamt ist das Pilotprojekt mit 12 Millionen Euro kalkuliert. Das bedeutet zunächst höhere Kosten, dadurch könnten aber mehr Passagiere transportiert werden als bisher.

Bus-Platooning: Ressourcenschonend und flexibel

Ein weiterer Vorteil dieses Konzepts: Rund ein Drittel des verbrauchten Benzins könnte eingespart werden. Die neuen Busse, die für das Projekt angeschafft werden, sollen ohnehin elektronisch fahren. Das würde bedeuten, dass der Benzinverbrauch künftig noch weiter reduziert werden könnte.

Insgesamt könnte dieses Konzept einen effizienteren und umweltschonender ÖPNV auf den Weg bringen. Und damit eine Alternative zu überfüllten Bussen mit CO2-Ausstoß darstellen.

"Dann könnte ich auf einer exklusiven Busspur drei, vier, fünf, sechs Busse aneinander koppeln, als ein sogenanntes 'People Mover System' als Alternative zur Trambahn etablieren."
Alexander Wolf, Projektleiter bei den Stadtwerken