Eher selten steht die Leopoldina in im Mittelpunkt. Jetzt ist die Organisation von Naturwissenschaftlern mit ihren dritten Stellungnahmen zur Corona-Krise ins Rampenlicht geraten – und in die Kritik.

Die Leopoldina ist eine wissenschaftliche Gelehrtengesellschaft – vergleichbar mit der Royal Society in Großbritannien oder der National Academy of Science der USA.

Forschen und beraten

Die Aufgabe der 1600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 30 Ländern besteht darin, über wissenschaftliche Themen wie den Klimawandel oder der künstlichen Intelligenz zu forschen und ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Seit 2008 hat sie als Nationale Akademie der Wissenschaften in Deutschland auch die Aufgabe, die Politik bei bestimmten Themen zu beraten und Stellungnahmen abzugeben. Wie beispielsweise jetzt zur Corona-Pandemie.

Wissenschaft seit dem 17. Jahrhundert

Die Leopoldina ist eine der ältesten naturwissenschaftlichen Gelehrtengesellschaften der Welt und wurde bereits 1652 gegründet. Ihren heutigen Namen bekam sie allerdings erst 35 Jahre später, als sie von Kaiser Leopold I. zur Reichsakademie erhoben wurde. Ihm zu Ehren wurde die Akademie dann in Leopoldina umbenannt.

Mitglieder schlagen Mitglieder vor

Die Mitgliedsaufnahme geschieht in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Dabei können auch Anwärter durch bereits bestehende Mitglieder vorgeschlagen werden. Ein Kriterium für die Aufnahme: herausragende wissenschaftliche Leistungen.

Aufgenommen zu werden, ist für Forschende eine große Ehre. Geld gibt es aber nicht. Wenn Mitglieder an Veröffentlichungen der Leopoldina mitarbeiten, geschieht das laut Akademie ehrenamtlich.

Viele Männer, wenige Frauen

Von den 1600 ehrenamtlichen Mitgliedern sind nur 12 Prozent weiblich, wie aus eigenen Angaben der Akademie von 2018 hervorgeht. Auch an der Arbeitsgruppe, die die dritten Stellungnahme zur Corona-Pandemie verfasst hat, waren nur zwei Autorinnen beteiligt und 24 Autoren.

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Allgemein sind derzeit nur ein Viertel der Professoren in der deutschen Wissenschaft Frauen. Jedoch betont die Akademie, dass sie sich bei ihren Mitgliedern sowie allgemein in der deutschen Wissenschaft für mehr Professorinnen einsetze.

"Die Akademie selbst gibt für 2018 an, dass gerade mal 12 Prozent der Mitglieder Frauen sind. Aber bislang sind in Deutschland ja auch weiterhin nur ein Viertel der Profs Frauen."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Besondere Aufmerksamkeit durch die Politik

Bundeskanzlerin Merkel hat die neue Stellungnahme der Akademie als sehr wichtig für das weitere Vorgehen bezeichnet und verleiht der Organisation besonderes Gewicht. Unsere Reporterin weist darauf hin, dass die Akademie seit Jahren regelmäßig Stellungnahmen zu relevanten gesellschaftlichen Themen veröffentlicht.

Stellungnahmen zur Corona-Krise

Die neue Adhoc-Stellungnahme der Leopoldina ist die Dritte, die sich mit der Corona-Krise beschäftigt. Darin empfehlen die Autorinnen und Autoren unter anderem die möglichst rasche, schrittweise Öffnung der Schulen, vor allem der Grundschulen. Das sorgt für eine heftige Kontroverse.

Ein Kritikpunkt: An der neuen Stellungnahme wären keine Virologen beteiligt gewesen. Das stimmt zwar, jedoch waren mehrere Mediziner unter den Autoren. An den ersten beiden Stellungnahmen der Leopoldina zur Pandemie waren bereits Virologen beteiligt, erklärt Anne Preger.

Auch hatten einige Lehrkräfte den Vorwurf erhoben, dass eine alltagsnahe Einschätzung fehle. An der dritten Stellungnahme der Leopoldina schrieben zwar auch Bildungs- und Pädagogikexperten mit, doch das sagt natürlich trotzdem nichts über die Alltagsnähe der Stellungnahme aus, sagt Anne Preger.

Thesenpapier von 2016 ist "aus dem Kontext gerissen"

Zudem zogen Kritiker das Urteilsvermögen der Leopoldina in Gesundheitsfragen in Zweifel. So erinnerte Victor Perli (Die Linke) im Zusammenhang mit der neuen Stellungnahmen daran, dass die Akademie im Jahr 2016 gefordert hatte, rund 1300 Krankenhäuser in Deutschland zu schließen.

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Diese Aussage sei jedoch aus dem Kontext gerissen worden, sagt Anne Preger. Es handele sich außerdem um ein Thesenpapier, wie man das Gesundheitssystem in Deutschland wirtschaftlicher gestalten könne.