Große Medien haben kürzlich die NSDAP-Mitgliederkartei online zugänglich gemacht. Unsere Reporterin Monika Ahrens hat dort nach ihren Großvätern gesucht.

Waren mein Opa, meine Oma oder meine Urgroßeltern Nazis? Auch unsere Reporterin Monika Ahrens stellte sich diese Frage und machte sich auf die Suche nach ihren eigenen Verwandten. Die Recherche ist einfacher geworden, denn "Zeit", "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" haben im Laufe des Jahres die Mitgliederkartei der NSDAP in Online-Datenbanken zugänglich gemacht.

"Mich interessiert, was diese Männer, von denen ich nur ein paar Geschichten und Erinnerungen habe, damals gemacht haben. Und ich bin nicht die Einzige."
Monika Ahrens, Deutschlandfunk Nova

Monika kennt ihre beiden leiblichen Opas nur von Fotos. Einer war Landwirt und starb kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bei einem Unfall. Der andere war Tischler und verstarb in den 1970er-Jahren. Doch in Monikas Leben gibt es noch eine dritte Großvaterfigur. Den Stiefvater ihrer Mutter, der in ihrer Kindheit schon alt war, wie sie sich erinnert. Von ihm weiß sie, dass er in der NSDAP war.

1933 als Zäsur in der Geschichte

Um mehr über diese drei Männer, die sie fast nur aus Geschichten und einigen wenigen Erinnerungen kennt, zu erfahren, gibt Monika ihre Namen in die Datenbank ein. Zusätzlich können Interessierte dort nach Geburtsjahr, Geburtsort und Region filtern. Monika findet dort nicht nur ihre beiden Großväter und ihren Stief-Opa, sondern auch viele Menschen aus dem Dorf, die sie noch aus ihrer Kindheit kennt.

"Man hat (1933) nicht mehr die Wahl zu sagen, ich werde Sozialdemokrat oder ich werde Kommunist oder so."
Janosch Steuwer, Historiker am NS-Dokumentationszentrum in Köln

Wie viele der insgesamt 8,5 Millionen Parteimitglieder, die es am Ende gab, traten auch Monikas Verwandte 1933 in die NSDAP ein. Das Jahr, in dem Hitler Reichskanzler und Deutschland nach und nach zur Diktatur wird. Ab Juli sind andere Parteien nicht mehr erlaubt. Die Wahl, Mitglied einer anderen Partei zu werden, habe es ab 1933 nicht mehr gegeben, erklärt der Historiker Janosch Steuwer.

Warum? Das kann die NSDAP-Datenbank nicht erklären

Was die Gründe für den Eintritt der Großväter waren, kann Monika mithilfe der NSDAP-Datenbank nicht herausfinden. Sie weiß nicht, ob sie Opportunisten waren, die sich einen Vorteil erhofften, ob sie keine andere Möglichkeit sahen oder, ob sie überzeugt waren.

"Man hat im Nationalsozialismus diese paradoxe Situation, dass – dadurch, dass die NSDAP die Öffentlichkeit so vollständig kontrolliert und alles nationalsozialistisch sein soll – sich so viele Deutsche wie nie in der Geschichte mit dem Nationalsozialismus identifiziert haben", erklärt Janosch Steuwer, "aber man kann es im Einzelfall ganz schwer sagen, weil Leute, die in die Partei eintreten, im Einzelfall halt immer auch andere Gründe haben können, also opportunistische Gründe und so weiter."

"Von meinem Stief-Opa habe ich gehört, dass er noch Jahrzehnte später Hitlers Politik gelobt hat und als Soldat im Zweiten Weltkrieg war."
Monika Ahrens, Deutschlandfunk Nova

Einzig bei Monikas Stief-Opa scheint die Motivation klar: "Von meinem Stiefopa habe ich gehört, dass er noch Jahrzehnte später Hitlers Politik gelobt hat und als Soldat im Zweiten Weltkrieg war."

NSDAP-Datenbank ist nur der Beginn der Suche

Wenn sie mehr über die Beweggründe von ihren beiden leiblichen Opas erfahren möchte, muss Monika weiter recherchieren. "Bei ihren Großvätern zum Beispiel wäre eigentlich viel interessanter zu wissen, ob sie Zwangsarbeiter im Krieg beschäftigt haben und wenn ja, wie sie mit ihnen umgegangen sind", sagt der Historiker Janosch Steuwer. "Oder haben sie in ihrer Tätigkeit bestimmte Leute beliefert oder bestimmte Aufträge ausgeführt für die Partei oder so was?"

Diese Infos könnte sie in lokalen Archiven recherchieren. "Und wo mein Stief-Opa als Soldat war, darüber kann ich Auskunft erhalten im Bundesarchiv", sagt sie. "Aber: So einfach wie die Suche in der Online-Datenbank wird das nicht."

Hinweis: Unser Bild zeigt Schüler der Napola Naumburg bei einem Sportwettkampf im Jahr 1941.

Shownotes
Nazi-Akten
Waren mein (Ur-)Großeltern in der NSDAP?
vom 30. Juni 2026
Autorin: 
Monika Ahrens