Die internationale Staatengemeinschaft hat nach dem Erdbeben in Nepal vor einem Jahr 3,5 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bereitgestellt. Bei den Menschen kommt die Hilfe aber nicht an.

Am 25. April 2015 bebte die Erde in Nepal: 9000 Menschen sind damals gestorben und 600.000 wurden obdachlos. Von einem Wiederaufbau ist in der ländlichen Region nichts zu spüren, sagt Milena Weinsheimer. Sie arbeitet für zwei Monate im Rahmen ihres Medizinstudiums im Krankenhaus der Kleinstadt Dhulikhel, rund 30 Kilometer östlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

Nur Wellblechhütten

Die Menschen hätten direkt nach dem Erdbeben als erste und einzige Hilfe vier Wellbleche bekommen, berichtet die 26-jährige Medizinstudentin. Diese Provisorien hätten keine Badezimmer, Küchen, kein fließendes Wasser und keinen Strom.

"Das größte Problem ist die Wohnsituation, die einfach nicht menschlich ist."
Milena Weinsheimer, Medizinstudentin

Aus den Nachrichten wissen die Menschen aber, dass viele Millionen gespendet worden seien, um ihnen zu helfen. Davon würde aber bei ihnen nichts ankommen. Deshalb seien sie sehr wütend auf die Regierung, die in deren Augen korrupt sei. Aus eigener Kraft könnten die Erdbebenopfer ihre Häuser nicht wieder aufbauen, weil sie einfach zu wenig Einkommen hätten, beschreibt Milena die Situation der Opfer.

Wer arm ist, wird auch nicht behandelt: Milena erklärt, dass es in Nepal keine Krankenversicherung gibt. Patienten müssten ihre Behandlung sofort bezahlen. Das Krankenhaus, in dem sie arbeitet, würde Spendengelder erhalten, mit denen auch mittellose Menschen behandelt werden könnten. Sie erhalten aber nur die allernötigste Versorgung.

"Es gibt keine Schmerzmittel für die Menschen, die kein Geld haben."
Milena Weinsheimer, Medizinstudentin

Eine weitere Einnahmequelle der Nepalesen sei weggebrochen: Der Tourismus habe stark abgenommen in Nepal, dabei seien die Menschen in Nepal darauf angewiesen. "Ich plädiere auf jeden Fall dafür, nach Nepal zu reisen", sagt Milena. "Die Menschen sind alle sehr traurig, dass der Tourismus abgenommen hat."

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