Die Coronazahlen in Deutschland sind höher denn je. Jetzt kommt ein weiteres Problem dazu: die neue Coronavirus-Variante Omikron. Doch Omikron wirft noch viele Fragen auf. Führende Impfstoffhersteller haben aber bereits angekündigt, ihre Impfstoffe upzudaten. Ein Überblick darüber, was wir bereits wissen.

Bislang steht nicht sicher fest, wie gefährlich oder ansteckend die neue Virusvariante Omikron ist und wie die Impfung dagegen wirkt. "Die Weltgesundheitsorganisation stuft Omikron als besorgniserregend ein", sagt Anne Cuber aus unserer Nachrichtenredaktion. Laut WHO kann es aber Tage oder auch Wochen dauern, bis die Risiken der neuen Virusvariante klar eingeschätzt werden können.

Virusvariante Omikron breitet sich weltweit aus

Zunächst breitete sich Omikron in Europa, darunter in den Niederlanden, Tschechien und Italien aus. Nun ist es auch in den USA angekommen. In Deutschland wird die Anzahl der Fälle inzwischen auf mehrere Hundert geschätzt (Stand: 1.12.2021), konkrete Zahlen gibt es nicht.

Inwiefern die Variante ansteckender ist als zum Beispiel Delta, werde sich jedoch erst in der nächsten Zeit stellen, erklärt Immunologe Carsten Watzl von der TU Dortmund.

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"In Südafrika steigen die Infektionszahlen langsam wieder. Nun muss man beobachten, ob das an Omikron liegt. Wenn ja, wäre das ein erster Hinweis darauf, dass diese Variante ansteckender sein könnte."

Bisher keine schweren Verläufe bei Omikron

Die meisten der in Europa festgestellten Fälle stammen von Menschen, die in den vergangenen Tagen aus Südafrika eingereist waren – aber zum Beispiel auch aus Nigeria. Virologe Christian Drosten erklärte dazu am 28. November im ZDF, dass in Südafrika häufig junge Menschen die neue Virusvariante aufwiesen. Schwere Verläufe, die im Krankenhaus behandelt werden müssten, scheinen sich bis jetzt nicht zu mehren.

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"Omikron ist der fünfzehnte Buchstabe im altgriechischen Alphabet, Delta ist der vierte. Dazwischen liegen also eine ganze Menge Corona-Mutationen, die die WHO beobachtet, die bei uns aber nicht so virulent waren und die zum Teil auch wieder runtergestuft wurden."

Die Wissenschaft werde allerdings zeitnah mehr Daten auswerten müssen, darunter auch aus Ländern, in denen ältere Menschen erkranken und in denen Zahlen zu Infektionen und Verläufen breiter dokumentiert würden, erklärt Immunologe Carsten Watzl.

Forschende einig: weiter impfen und boostern

Eines sei trotzdem klar, so Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité: Nämlich, dass Impfen und Boostern entscheidend seien, um die Symptome zu mildern.

Das sehen auch andere Forschende so wie der Virologe Adam Grundhoff und Immunologe Carsten Watzl. Das liege am Antikörperspiegel, der sich durch das Boostern sogar verzehnfachen könne. "Mit diesem Mehr an Antikörpern ist man viel besser gegen Delta sowie gegen neue Varianten wie Omikron geschützt", erklärt Carsten Watzl.

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"Worüber wir uns sicher sein können, ist, dass die Impfstoffe auch gegen diese Variante helfen werden. Insbesondere gegen schwere Verläufe. Und darauf kommt es an."

Impfhersteller arbeiten an Update für Impfstoff

Nichtsdestotrotz haben führende Impfstoffhersteller wie Biontech, Moderna und Novavax bereits erklärt, die aktuellen Impfstoffe gegen Omikron zu testen und gegebenenfalls anzupassen.

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"Biontech rechnet ungefähr mit hundert Tagen, bis ein angepasster Impfstoff gegen Omikron vorhanden ist. Für die Entwicklung eines angepassten Impfstoffes ist das rasend schnell."

Kritik aus Südafrika

In Südafrika wächst derweil der Unmut über die verschärften Einreiseregeln der anderen Länder. Die südafrikanische Regierung reagierte mit Kritik.

Die Regierung und auch Expert*innen machen deutlich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Südafrika die neue Variante zum ersten Mal festgestellt und die Welt darüber informiert hätten. Und dass man jetzt quasi dafür bestraft und zum Sündenbock gemacht werde, so Anne Cuber. Es kann durchaus sein, dass die Omikron-Variante bereits in anderen Ländern aufgetreten ist, aber wegen der milden Symptome bislang nicht erkannt wurde.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa forderte die jeweiligen Länder daher auf, ihre Reisebeschränkungen wieder aufzuheben, weil dafür die wissenschaftliche Rechtfertigung fehle.

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"Die Weltgesundheitsorganisation sagt, die Reisebeschränkungen wie sie im Moment auftreten, würden die Ausbreitung des Virus nur auf ganz minimale Weise entschleunigen."

"Für die Wirtschaft ist das im Grunde eine mittelschwere Katastrophe", erklärt Jana Genth. In Südafrika beginnt bald die Hauptsaison des Tourismus. Viele Hotelbetreiber*innen, Restaurantbesitzer*innen und Tourguides hätten jetzt die Sorge, dass durch die Reisebeschränkung 80 Prozent ihrer Einnahmen wegfallen. "Viele von ihnen haben tatsächlich geweint, als sie mit mir sprachen", sagt die Korrespondentin. Zu groß sei ihre Angst, bald ihre Läden schließen zu müssen.

In Südafrika gehe der Alltag derweilen unter den gängigen Hygienemaßnahmen weiter. Eine Verschärfung der aktuellen Lockdown-Regeln ist auch nicht angedacht, sagt die Korrespondentin.

Auswirkung auf Pandemie unklar

Ob Omikron die Pandemie generell verlängern könnte, sei noch überhaupt nicht klar, so Carsten Watzl. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Variante wirklich ansteckender und krankmachender sei und dem Immunschutz entgehe, wäre das möglich. Seriös beantworten könne man diese Frage aber erst, wenn man die Mutante besser kennt.

  • Kurz und Heute
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Anne Cuber, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion