Nike nennt das Material "Flyknit", Adidas gibt ihm den Namen "Primeknit". Doch Nike sagt: Adidas hat die Idee zu dem Stoff, aus dem sie Schuhe herstellen, von uns geklaut. Der Streit geht schon mehrere Jahre – und jetzt in die nächste Runde. In der Modebranche Patent- und Urheberrechtsverletzungen nachzuweisen, ist aber schwierig.

Adidas und Nike sind große Konkurrenten auf dem Sportbekleidungsmarkt. Seit Jahren schon gibt es einen Streit um ein Patent, um ein bestimmtes Material, aus dem sowohl Adidas als auch Nike Schuhe herstellt. Den dünnen Polyester-Strickstoff aus einem ganz bestimmten Garn haben Adidas und Nike vor fast zehn Jahren beinah zeitgleich auf den Markt gebracht.

"Den dünnen Polyester-Strickstoff haben Nike und Adidas vor fast zehn Jahren fast zeitgleich auf den Markt gebracht. Seitdem gibt es darum Streit."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Nike wirft dem deutschen Konkurrenten vor, die Idee zum Material "Primeknit" bei ihrem Material "Flyknit" geklaut zu haben. Adidas verletze somit Patentrechte.

Zwei Klagen parallel

Momentan laufen gerade zwei Klagen parallel – zum einen die wegen Patentverletzung, zum anderen will Nike erreichen, dass Adidas keine Schuhe mit dem Material "Primeknit" mehr in den USA vertreiben darf. Das soll jetzt eine US-Behörde prüfen.

Wie der Fall am Ende entschieden wird, ist allerdings schwer abzuschätzen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anke van de Weyer. Auch einen festen Termin für eine Entscheidung gibt es noch nicht.

Nicht selten: Streit in der Modebranche

Wenn es um Funktionsmaterialien geht, bei denen ein spezifischer Herstellungsprozess dahintersteckt, kommen solche Streitigkeiten immer Mal wieder vor: Vor einigen Jahren hat sich zum Beispiel das kanadische Label Lululemon, das Yoga-Mode macht, mit Calvin Klein gestritten. Lululemon hatte Calvin Klein verklagt. Bei der Auseinandersetzung ging es um eine Hose, die am Bund so geschnitten war, dass sie leicht V-förmig unter dem Bauchnabel zulief. Am Ende hatten sich beide Seiten dann aber außergerichtlich geeinigt.

"Mode lebt ja gerade davon, dass dauernd irgendwer irgendwen zitiert oder sich Inspiration holt."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Urheberrechte in der Mode sind ein schwieriges Feld. Denn Mode lebt ja auch davon, zu zitieren und sich Inspiration zu holen. Die Grenzen zum Plagiat verlaufen teilweise fließend, sagt Anke van de Weyer. Fast-Fashion-Ketten haben es sich zum Beispiel regelrecht zum Sport gemacht, die Mode von den Laufstegen möglichst schnell nachzumachen und für einen Bruchteil des Geldes in die Läden zu bringen.

Immer wieder kommt es vor, dass große Designer*innen oder Fast-Fashion-Ketten von kleineren unabhängigen Labels kopieren. Neben dem Beispiel Lululemon vs. Calvin Klein waren auch schon Ketten wie Zara oder Shein in der Kritik, von kleineren Designerinnen kopiert zu haben.

Vor ein paar Jahren gab es auch Streit um ein Chanel-Armband, das vom Label Pamela Love kopiert worden sein soll. Letztlich ging das Chanel-Armband dann auch tatsächlich nicht in den Verkauf. Das war aber eher die Ausnahme. Denn in der Regel können sich kleinere Firmen oder einzelne Designer*innen einen Rechtsstreit mit einem großen Konzern nicht leisten. Es gibt allerdings einige Anwältinnen und Anwälte, die sich auf solche Fälle spezialisiert haben.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova