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Früh aufzustehen ist gar nicht Danielas Ding. Sie muss aber für den Job – für ihre Verhältnisse – früh raus. Damit arbeitet sie gegen ihre innere Uhr. Aber lässt sich die eigentlich austricksen? Und sind Frühaufstehende wirklich produktiver?

Spät ins Bett und spät aufstehen: Das ist Danielas natürlicher Tag-Nacht-Rhythmus. Der passt aber nicht zu ihrem Nine-to-five-Job. Dafür müsste sie eigentlich viel früher ins Bett gehen, als sie will. Trotzdem schläft sie oft erst nach Mitternacht ein, um sieben Uhr klingelt dann aber schon der Wecker. Etwas später aufstehen kann sie, wenn sie im Homeoffice arbeitet.

Wenn innere Uhr und Job nicht matchen

Daniela weiß, dass ihre Arbeitszeiten noch relativ entspannt sind. "Meine Mama steht jeden Tag um vier Uhr dreißig auf", erzählt sie. "Das ist dann schon noch mal eine andere Hausnummer. Aber sie ist vom Wesen her einfach jemand, der gerne früh aufsteht." Das ist Daniela definitiv nicht. Erst abends oder nachts ist sie wirklich produktiv und kann Dinge besser abarbeiten.

"Ich merke einfach, dass ich abends beziehungsweise nachts mehr Energie habe."
Daniela, geht lieber spät ins Bett

Wenn sie es sich aussuchen könnte, würde Daniela gerne gegen zwei oder halb drei ins Bett gehen und morgens zwischen neun und zehn Uhr aufstehen. Da das nicht zu ihrem Job passt, versucht sie, sich an ihrem Freund zu orientieren, der relativ früh schlafen geht.

Die innere Uhr austricksen – schwierig

"Wenn er da ist, versuche ich, mich mit ihm ins Bett zu legen. Ich mache mir dann oft einen Podcast an – irgendetwas Langweiliges, manchmal auch Meeresrauschenmusik." Richtig viel bringt das Daniela aber nicht: "Ich liege dann oft einfach wach im Bett. Also ich habe da noch nicht den richtigen Hack gefunden."

"Ich war schon in der Uni oder Schule diejenige, die erst nachts gelernt hat."
Daniela, geht lieber spät ins Bett

Daniela arbeitet in einem kreativen Job. Wenn sie beispielsweise früh morgens einen Brainstorming-Termin hat, fällt es ihr schwer, zu dieser Zeit Ideen zu entwickeln. Ihr Trick: sich schon außerhalb der Arbeitszeiten Gedanken machen und Ideen sammeln.

Wenn es darum geht, To-dos abzuarbeiten, setzt sich Daniela ebenfalls lieber abends dran, weil sie die Aufgaben dann viel schneller erledigen kann als morgens.

"Nine to five" tief in der Gesellschaft verankert

Der Arbeitsrhythmus "Nine to five" ist für viele Standard. Die Soziologin Svenja Reinhardt sieht darin jedoch weniger eine realistische Beschreibung des Arbeitsalltags, sondern eher ein kulturelles Leitbild. "Viele Menschen arbeiten längst ganz anders, aber trotzdem ist dieses Modell als Idealtypus in einer Dienstleistungsgesellschaft erstaunlich präsent", erklärt sie.

Sie spricht aber auch von Vorteilen, wenn sich die Gesellschaft darauf einigt, dass es eine Kernarbeitszeit gibt. Denn wenn viele Menschen gleichzeitig arbeiten, lernen oder verfügbar sind, lassen sich Abläufe besser organisieren – auch mit Blick auf Schulen und Kitas.

"Auch wenn viele Menschen nicht von neun bis fünf arbeiten, scheint es trotzdem so einen Maßstab zu geben, danach, was als normal, produktiv oder irgendwie leistungsfähig eingeordnet wird."
Svenja Reinhardt, Soziologin

Daniela hat inzwischen gelernt, sich dem gesellschaftlichen Rhythmus anzupassen – auch wenn er gegen ihre innere Uhr verstößt. Ihren natürlichen Schlafrhythmus kann sie jedoch nicht ändern. Und dafür gibt es einen Grund, erklärt die Psychologin und Schlafforscherin Christen Blume.

"Eine Nachteule wird nie zur Lerche werden."
Christine Blume, Psychologin, Schlafforscherin und Co-Host vom Nova-Podcast "Über Schlafen"

"Das liegt daran, dass der Chronotyp – also die Präferenz für ein bestimmtes Schlaf- und Wachfenster – in weiten Teilen genetisch bedingt ist", so Christine Blume. "Das heißt, er ist so tief in uns verankert, dass es nicht einfach eine Frage von Disziplin, Willen oder sogar Training ist." Zwar lässt sich der Chronotyp ein wenig beeinflussen, erklärt die Schlafforscherin, im Endeffekt wird eine Eule aber nie zu einer Lerche.

Klassische Chronotypen sind eher selten

Echte Eulen, die sehr spät schlafen gehen und aufstehen, sowie klassische Lerchen, die besonders früh ins Bett gehen und wach werden, sind Christine Blume zufolge aber relativ selten. Die meisten Menschen befinden sich irgendwo dazwischen – mit der Tendenz zum Spät-Typ.

Im Endeffekt bestimmen jedoch die gesellschaftlichen Rhythmen – zum Beispiel ein klassischer Arbeitsbeginn um acht Uhr morgens – unseren Alltag, erklärt sie. Gäbe es diese nicht, hätte jeder Mensch seinen individuellen Chronotyp, so die Schlafforscherin.

"Die Gesellschaft bestimmt im Endeffekt, was spät und was früh ist."
Christine Blume, Psychologin, Schlafforscherin und Co-Host vom Nova-Podcast "Über Schlafen"

Welcher Chronotyp bin ich?

Wer jobbedingt immer früh aufstehen muss, kennt den eigenen Chronotypen aber vielleicht gar nicht. Der lässt sich aber bestimmen. Dabei helfen können etwa Fragebögen zum Schlafverhalten. Dabei wird der Fokus vor allem auf freie Tage gelegt – wie das Wochenende oder Urlaube, so Christine Blume.

"Einfach mal spüren, ohne auf die Uhr zu blicken, wann werde ich denn eigentlich am Abend müde und wann wache ich dann entsprechend auch am Morgen ausgeruht auf. Und dann hat man meistens eine ganz gute Abschätzung für den eigenen Chronotyp", so die Schlafforscherin.

Frühaufstehende und ihr (besseres) Image

"Der frühe Vogel fängt den Wurm" oder "Morgenstund hat Gold im Mund" – diese Sprichwörter zeigen: Wer früh aufsteht, der hats drauf. Dabei sind wir nicht automatisch leistungsfähiger, wenn wir früh aufstehen, sagt Christine Blume. Bei manchen Menschen beginnt nämlich das Zeitfenster, in dem sie besonders konzentriert arbeiten können, erst um neun, zehn oder auch erst um elf Uhr, erklärt sie. "Ausgeschlafene Menschen sind am produktivsten – und nicht die, die am frühesten aufstehen", sagt die Schlafforscherin.

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Shownotes
Noch müde
Warum haben Frühaufstehende den besseren Ruf?
vom 09. März 2026
Gesprächspartnerin: 
Daniela, ist eine totale Eule, würde am liebsten erst um zwei Uhr nachts schlafen gehen, muss aber für ihren Job immer früh raus
Gesprächspartnerin: 
Svenja Reinhardt, Soziologin an der Uni Marburg, forscht zur Soziologie von Schlaf und Schlafmedizin
Gesprächspartnerin: 
Christine Blume, Psychologin, Schlafforscherin und Co-Host vom Deutschlandfunk-Nova-Podcast "Über Schlafen"
Autor und Host: 
Przemek Żuk
Redaktion: 
Ivy Nortey, Lara Lorenz, Sarah Brendel
Produktion: 
Jan Morgenstern
Quellen: