Woher kommen die Waffen, die die Türkei bei der Offensive in Nordsyrien einsetzt? Panzer, Gewehre, Handgranaten – "Made in Germany". Denn die meisten Waffen kauft die Türkei von Deutschland.

Allein in diesem Jahr hat Deutschland an die Türkei Waffen im Wert von mehr als 250 Millionen Euro geliefert. Damit ist die Türkei das wichtigste Exportland für deutsche Rüstungsgüter. Angesichts der türkischen Offensive in Nordsyrien hat die Bundesregierung die Waffenlieferungen an Ankara eingeschränkt. Es sei aber immer noch wahrscheinlich, dass weiterhin Waffen geliefert würden, sagt der Politikwissenschaftler und Rüstungsexperte Marius Bales.

"Es besteht die Möglichkeit, dass von nun an keine Waffen mehr geliefert werden. Es kann aber auch sein, dass es nur neue Genehmigungen impliziert – sprich, dass alles, was bisher genehmigt wurde, auch ausgeliefert wird."
Marius Bales, Politikwissenschaftler und Rüstungsexperte

Die Auslieferung von Waffensystemen ziehe sich oft über Jahre hinweg. Erst in diesem Jahr sei ein Waffensystem an die Türkei geliefert worden, welches bereits 2009 genehmigt wurde. Nach Auswertung von Videomaterial ist sich der Experte sicher: Deutsche Waffen sind im Kriegsgebiet. Es sei aber schwer zu beurteilen, wie viele Waffen im Einsatz sind.

Deutsche Waffen auf beiden Seiten

In den Videos seien auch Panzer und Kleinwaffen auf Seiten der syrischen Streitkräfte zu sehen, sagt Marius Bales. Doch nicht nur die syrischen und türkischen Streitkräfte hätten deutsche Waffen in Nordsyrien eingesetzt.

Auch kurdische Kämpfer könnten im Besitz von deutschen Rüstungsgütern sein. Denn zwischen 2014 und 2016 hat die Bundesregierung Waffen an die kurdische Peschmerga im Irak im Kampf gegen den IS geliefert. Darunter Sturmgewehre, Panzerabwehrwaffen, Pistolen, Handgranaten und Munition. Die Waffen könnten auch über den Schwarzmarkt nach Syrien gelangt sein.

"Es ist grundsätzlich möglich, dass Waffen, die an die irakische Peschmerga geliefert wurden, auch im syrischen Kriegsgebiet eingesetzt werden. Insbesondere auch deshalb, weil der Schwarzmarkt in Syrien sehr groß ist."
Marius Bales, Politikwissenschaftler und Rüstungsexperte

Bei Waffenlieferungen würden zwar Erklärungen zwischen beiden Partnern unterzeichnet – sprich ein Verhaltenskodex, dass die Waffen vor Ort bei den auserwählten Streitkräften bleiben. Kontrollieren, was danach mit den Waffen passiere, könnte aber niemand mehr, sagt Marius Bales. Denn in Kriegsgebieten wanderten Waffen sehr stark zwischen verschiedenen Regionen und Fronten. Danach könnten sie auf dem Schwarzmarkt landen, einfach liegen bleiben oder von anderen Gruppen erobert werden, erklärt Marius Bales.