Habt ihr euch schon mal dabei erwischt, wie ihr endlos lang in ein Lagerfeuer gestarrt habt, einfach weil es so schön war? So funktionieren auch die "Oddly Satisfying Videos": Simpel, perfekt zum Abschalten und vor allem mit hohem Suchtfaktor.

Unzählige Butterstücke laufen über ein Fließband. Pinker, feuchter Sand wird mit einem Eisportionierer Stück für Stück herausgenommen. Ein Lippenstift wird ganz langsam in gleiche Stücke geschnitten. Klingt als Videoinhalt ziemlich simpel und doch werden solche Clips im Netz millionenfach geklickt, weil wir dabei gut entspannen können, sagt Tobias Dienlin, Medienpsychologe an der Uni Hohenheim.

Perfektes Maß an Input

Oft handelt es sich bei den Inhalten der "Oddly Satisfying Videos" um Neues oder Unbekanntes und würden deshalb unser Interesse wecken.

"Es ist nicht zu viel neuer Input, ist ist aber auch nicht zu wenig. Es ist so, dass wir da gerade ganz gut entspannen können."
Tobias Dienlin, Medienpsychologe von der Uni Hohenheim

Die Haupteigenschaft der Videos ist, etwas fertig zu stellen oder zu schaffen. Das triggere den Perfektionismus in uns und löse eine Form des "Accomplishment" aus, also die perfektionistische Vollendung einer Handlung, erklärt Tobias Dienlin.

Das Gegenteil bewirken die "Oddly Unsatisfying Videos", bei denen nichts vollendet wird und alles schief geht. Beispielsweise verheddert sich ein Klebeband in einer stumpfen Schere und nichts geht mehr. Anziehend sind diese Videos auf uns Menschen aber trotzdem. Wir reagieren sogar richtig emotional und unruhig, wenn wir sehen, dass eine Aktion nicht beendet werden kann oder eine Symmetrie gestört wird.

Akustische Reize für den Nebenbei-Konsum

Eine weitere Komponente der "seltsam befriedigenden Videos" sind die meist sehr entspannenden Klänge, die die Videos begleiten. Auch wenn für Tobias Dienlin die Wirkung des Visuellen in den Clips überwiegt, sieht er gerade für den Nebenbei-Konsum die Musik als beliebte Quelle. Beispielsweise konsumieren viele Menschen diese im Büro, um sich besser konzentrieren zu können. Verallgemeinern könne man diese Art der Nutzung jedoch nicht, es komme immer auf die Situation der Person an.

Sucht als große Gefahr im Netz

Egal, ob nun etwas fertiggestellt wird oder nicht – diese Videos machen süchtig. Tobias Dienlin sieht dieses Problem überall im Netz. Die Gefahr bei den meisten Inhalten liege aber nicht darin, dass sie gefährlich oder schlecht seien, sondern dass sie so gut tun, dass man einfach nicht mehr aufhören kann.

"Anders als ein Buch oder einen Film, kann man das Internet nicht fertig schauen – auch diese Videos nicht."
Tobias Dienlin, Medienpsychologe von der Uni Hohenheim

Das gilt auch für die "Oddly Satisfying Videos". Den Absprung zu bekommen, ist bei diesen Videos also nicht leicht. Da hilft wohl nur viel Selbstdisziplin.