Manche Dinge sind uns peinlich. Oder wir haben Angst, eine bestehende Ordnung durcheinander zu bringen. Der Preis, den wir dafür zahlen: Wir reden nicht und machen die Dinge mit uns alleine aus. Dabei kann es wirklich befreiend sein, offen zu sprechen. Stefan hat das nach seinem Coming-out festgestellt. Die Psychologin Linda-Marlen Leinweber erklärt, wie wir schwierige Themen ansprechen können.

Stefan dachte immer von sich, er sei nicht so der emotionale Typ. Also hat er seine Gefühle für sich behalten und vieles mit sich selbst ausgemacht. Bis September 2021. Da hat er zum ersten Mal mit seinen zwei besten Freundinnen darüber gesprochen, dass er schwul ist. Und dann ging es weiter. An einem Wochenende im November hatte er mehrere Autofahrten zusammen mit einem Freund, der ihm extrem offen aus seinem Leben erzählt hat. Für Stefan war das neu – und eine Art Initialzündung. Diese Gespräch haben ihn dermaßen berührt, dass er sich dachte: "Das will ich auch. Ich will auch so offen mit den Leuten sprechen, die mir nahe sind."

"Ich habe es ganz lange nicht geschafft, mit den Menschen, die es betrifft und die mir nahe stehen, darüber zu sprechen."
Stefan

In der Woche darauf hat er sich mit seiner besten Freundin verabredet und vier Stunden lang gesprochen. "Fast eine Art Therapiesitzung, wo wir auch über meine Sexualität geredet haben. Und das hat alle meine Schranken geöffnet", sagt er. Seitdem hat sich die Qualität seiner Gespräche enorm verändert. Stefan sagt, er fragt sich manchmal, über was er und seine Freund*innen eigentlich vorher die ganze Zeit geredet haben.

Schwierige Themen ansprechen

Linda Marlen Leinweber sagt: "Wenn du dich öffnest, wenn dir das gelingt, dann erhöhst du einfach die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber dein Problem erkennt und dass er dir helfen kann, gemeinsam nach Lösungen zu suchen." Manchmal ergibt sich durch ein offenes Gespräch auch die Situation, dass unsere Gesprächspartner*innen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wir fühlen uns dann verbundener mit anderen Menschen – und weniger allein.

"Ich finde, es hilft enorm, wenn du diesen Dialog erstmal mit dir selbst hast und Klarheit findest."
Linda-Marlen Leinweber, Psychologin

Wer sich offene Gespräche wünscht, könne sich langsam in die Richtung tasten, schlägt die Psychologin vor. Zum Beispiel gehe es darum, einen sicheren Ort zu finden, beziehungsweise eine Person, bei der wir uns sicher sind, dass sie nicht alles gleich weitererzählt. Als nächstes sollten wir langsam Vertrauen zu der Bezugsperson aufbauen, indem wir erst einmal Dinge erzählen, die uns wichtig sind, uns aber nicht extrem verletzlich machen.

"Indem du dich öffnest, signalisierst du deinem Gegenüber ja auch: 'Guck mal, ich zeige mich hier verletzlich. Und ich teile Dinge mit dir, die ganz tief gehen. Und das ist die Botschaft: Hey, das darfst du natürlich auch.'"
Linda-Marlen Leinweber, Psychologin

Wer Mühe hat, ein sensibles Thema anzusprechen, dem kann es vielleicht helfen, das Gespräch während eines Spaziergangs zu führen. Außerdem helfe es, zunächst für sich selbst Klarheit in Bezug auf ein schwieriges Thema zu schaffen. Dabei kann zum Beispiel auch ein Tagebuch helfen.

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