Zum ersten Mal wird Online-Dating in einer Kunstausstellung in Deutschland thematisiert. "What is Love? Von Amor bis Tinder" geht der Frage nach, wie Liebe künstlerisch dargestellt wird – früher und heute. Eine Stunde Liebe schaut sich die Werke in der Kunsthalle Bremen genauer an.

"Kunst greift auf, wie eine Gesellschaft sich verändert und Kunst greift auch auf, was für Liebeskonzepte entstehen."
Kuratorin Jasmin Mickein, Kunsthalle Bremen

Die Ausstellung ist in fünf Themenfelder unterteilt: Ur-Paare, reale Paare, Selbstliebe, Schönheit und Erotik. Darunter sind alte Gemälde zu sehen, wie Adam und Eva in einer Darstellung von 1520. Oder ein Werk von Picasso: das Porträt seiner Muse Silvette David von 1954. 

Zu jedem Thema gibt es auch eine aktuelle zeitgenössische Arbeit. Darunter die Performance-Dokumentation "Wanna Play" – ein Projekt des niederländischen Künstlers Dries Verhoeven. 2014 ist er in einen großen, gläsernen Container gezogen, der unter anderem auch in Berlin aufgestellt wurde (im Bild). Darin hat er transparent seinen Alltag verbracht und Männer über die App Grindr gedatet. Die Chats wurden auf einer großen Leinwand live übertragen. Das Projekt war sehr umstritten und ist in Berlin abgebrochen worden – denn die Grindr-Chatpartner wurden nicht zensiert.

"Die Liebe übers Internet entwickelt sich so schnell wie der Seitenaufbau meiner 1-Mbit-Internetleitung. Es dauert. Error."
Besucher der Ausstellung, Bemerkung aus einem Zettel an der Kommentarwand

Kuratorin Jasmin Mickein will das etwas gegen das schlechte Image des Online-Datings tun: Sie hat auch einen Kunstpreis für aktuelle Kunstarbeiten ausgeschrieben, die sich mit Liebe und Online-Dating auseinandersetzen. 

"Eigentlich hat Online-Dating nicht das beste Image. Mit dieser Ausstellung lassen wir einfach etwas ins Museum, was bisher nicht da war, weil es nicht als essenziell genug für die Kunst wirkt."
Kuratorin Jasmin Mickein, Kunsthalle Bremen