Am echten Schachbrett ist der Abstand gerade nicht groß genug. Dafür ist online spielen die Lösung. Die Nachfrage ist groß. Echt stressig kann das werden und manchmal sogar schnell.

Weltweit sind wegen Corona die Schachclubs dicht. Alle Turniere sind abgesagt. Immer mehr Vereinsmitglieder und Profis spielen daher online. Und immer mehr Interessierte lernen Schach im Netz, zum Beispiel in Tutorials. Online-Schach ist gerade absolut angesagt.

Spielen und selbst kommentieren

Newcomer, Fortgeschrittene und Vollprofis können online auch dem amtierenden Schach-Weltmeister Magnus Carlsen beim Spielen und Denken zusehen und zuhören. Der 29-jährige Norweger sitzt und spielt und denkt und redet vor einer Webcam, berichtet Netzreporter Michael Gessat.

"Carlsen hat genau das Rezept kopiert, mit dem auch viele Computerspiel-Profigamer höchst erfolgreich auf Twitch, YouTube oder anderen Plattformen unterwegs sind."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Magnus Carlsen betreibt eine eigene Online-Plattform, chess24.com. Dort läuft seit ein paar Monaten der Banter Blitz Cup. Bei dem Online-Turnier können Zuschauer die einzelnen Züge der Spielenden auf einem Online-Schachbrett live mitverfolgen. Beide Kontrahenten haben eine Webcam laufen und kommentieren, warum sie einen
bestimmten Zug gemacht haben und welchen sie jetzt vom Gegner erwarten.

Am 15.04.2020 war das große Finale des Banter Blitz Cup zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und dem 16-jährigen Iraner Alireza Firouzja, immerhin schon Nummer 21 der Turnierschach-Weltrangliste. Alireza Firouzja hat gewonnen, mit 8,5 zu 7,5.

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Beim Banter Blitz Cup hatten die Finalisten drei Minuten Bedenkzeit. Das ist nicht viel. Beim Turnierschach mit normaler Bedenkzeit ist es deutlich mehr, in der Regel über eine Stunde. Altersunterschiede in der Reaktionsgeschwindigkeit machen sich gerade beim Onlinezocken bemerkbar, sagt Michael Gessat. Am 01.04.2020 hatte Alireza Firouzia den Weltmeister Magnus Carlsen auf dem Online-Schachserver Lichess noch deutlicher geschlagen, mit 103,5 zu 90,5. Da hatte jeder für die komplette Partie nur genau 60 Sekunden Bedenkzeit. Der Server ist gelegentlich überlastet und nicht erreichbar.

Alles eine Frage der "Bedenkzeit"

Beim Bullet-Schach – weniger als drei Minuten Bedenkzeit – , Blitzschach – weniger als zehn bis fünfzehn Minuten Bedenkzeit – oder Schnellschach – hier sind es zwischen 10 und 60 Minuten Bedenkzeit – müssen die Spielenden nicht nur nach normalen Maßstäben gewinnen, sondern den Sieg auch in der verbleibenden Bedenkzeit nach Hause schaukeln – sonst gewinnt der Gegner, auch wenn der bis dahin weniger Punkte gesammelt hat.

Viel Stress und gute Unterhaltung

Das Ganze ist also richtig stressig, aber genau deswegen sind diese kommentierten Live-Streams so unterhaltsam, sagt Netzreporter Michael Gessat, der selbst Schach spielt. Die größten Koryphäen lassen sich da bei krassen Fehlkalkulationen erwischen. Oder ihr Gegner hebt sie, bei eigener Verluststellung, über die Zeit. In solchen Momenten ist bei den Kommentaren dann ab und zu ein Piepen zu hören – um deutlich hörbare emotionale Reaktionen zu überdecken.