Drogen sind im Netz genauso leicht zu kaufen, wie ein paar Schuhe, sagt Jörg Beyser, der das Drogendezernat im bayrischen Landeskriminalamt leitet. Der Drogenhandel im Netz professionalisiert sich zunehmend. Die Behörden, die sich anfänglich noch mit den Ermittlungen schwergetan haben, fangen viele Lieferungen inzwischen frühzeitig ab.

Drogen im Netz gibt es nicht nur im Darknet, sondern auch im Clearnet, sagt der LKA-Ermittler Jörg Beyser. Mit Clearnet meint er das öffentlichen Netz, das jedem frei zugänglich ist. Um ins Darknet zu gelangen, benötigt ein User eine spezielle Software.

Die Online-Foren, in denen Drogen verkauft werden, sind ähnlich aufgebaut wie klassische Online-Shops, auf denen wir Klamotten, Möbel oder Bücher erwerben können. Wir legen das gewünschte Produkt in den Warenkorb und bezahlen dann per Nachnahme, wenn wir das Paket mit der Post erhalten, oder auch mit einer virtuellen Währung, wenn wir den Bestellvorgang abschließen, sagt Jörg Beyser.

"Die Anonymität war für uns das Problem. Sie müssen sich vorstellen, der Dreizehnjährige sitzt daheim, hat ein Mobiltelefon und seinen Computer, geht auf diese Seiten und bestellt, investiert einen Teil seines Taschengeldes und kriegt es dann von der Post zugesendet. "
Jörg Beyser, Leiter des Drogendezernats Landeskriminalamt Bayern

Die Ermittlungsbehörden haben über die letzten Jahre die Erfahrung gemacht, dass der Drogenhandel auf der Straße nicht weniger geworden ist. Der Handel mit illegalen Betäubungsmitteln im Netz ergänzt den Handel auf der Straße vielmehr.

Kriminelle Organisationen: Strukturiert wie ein E-Commerce-Unternehmen

Viele der Drogenhändler sind wie ein E-Commerce-Unternehmen strukturiert, sagt der Leiter des Drogendezernats des bayrischen LKA. Es gibt einen Chef, der einen Webseiten-Administrator einstellt, einen Produzenten sucht und einen Kundensupport einrichtet.

Der Kundensupport ist wichtig, weil die Onlinehändler für Drogen genauso auf Kundenrezensionen angewiesen sind, wie Händler auf anderen Plattformen, die legale Waren verkaufen.

"Der Kundensupport ist dafür da, dass er sagt: 'Kein Problem, du kriegst von uns noch mal eine Sendung. Wir senden das sofort an deine Adresse. Du brauchst nicht noch mal zahlen. Und wenn es noch irgendwas gibt, melde dich bei uns. Wir tun alles, damit du zu zufrieden bist.'"
Jörg Beyser, Leiter des Drogendezernats im Landeskriminalamt Bayern

Den Ermittlern gelingt es, immer wieder mal eine Drogenlieferung, die per Post gesendet wird, abzufangen, bevor sie den Konsumenten erreicht. Kunden, die ihre Ware nicht erhalten, können schlechte Rezensionen hinterlassen oder sich einfach einen anderen Drogenhändler suchen, den sie für zuverlässiger erachten. Um das zu verhindern, bieten Händler, die im Netz illegal Drogen verkaufen, inzwischen auch Kundensupport an. Käufer, die ihre Ware nicht erhalten haben, bekommen oft eine neue Lieferung, wenn sie sich mit einer Reklamation an den Support wenden.

Netz bietet Anonymität

Seit 2013 ermittelt das Drogendezernat im LKA Bayern gegen Drogenhändler im Netz. Besonders die Anonymität, die das Netz Händlern und Konsumenten im Netz bietet, war anfangs ein Problem, sagt Jörg Beyser. Zwar ist eine Professionalisierung bei kriminellen Organisationen beim Online-Handel zu sehen, genauso haben sich aber auch die ermittelnden Behörden weiterentwickelt, sagt der Leiter des Drogendezernats des bayrischen LKA.